03.03.2020

Predigt anlässlich der Einweihung der Emmauskapelle am 01. März 2020

Liebe Schwestern und Brüder,
zwei Jünger auf dem Weg nach Emmaus. Sie kehren Jerusalem den Rücken zu. Unendliche Trauer und das Zerbrechen all dessen, worauf sie - seitdem Jesus sie in seine Nachfolge gerufen hatte -, ihr Leben und ihren Glauben gegründet hatten. Und auf dem Weg stößt ein Fremder zu ihnen, der mit ihnen über all das Erlebte ins Gespräch kommt. Sie schütten ihm ihr Herz aus. Er fragt nach und  hört ihnen zu. Er geht mit ihnen. Er eröffnet ihnen den Sinn der Schriften. Und dann, in Emmaus angekommen, bitten sie ihn, bei ihnen zu bleiben – immer noch nicht wissend, dass der Fremde der auferstandene Christus ist. Erst nachdem er bei Tisch das Brot bricht, so wie er es beim letzten Abendmahl tat, da gehen ihnen die Augen auf. Doch der zum Leben Erweckte entzieht sich ihren Blicken. Die beiden Emmausjünger hält es nicht auf ihren Stühlen. Sie brechen auf, kehren nach Jerusalem zurück, und berichten den übrigen Jüngern das Geschehene. 
Diese Geschichte aus dem Lukasevangelium gehört zu den bekanntesten Erzählungen des Neuen Testamentes. Und das Beeindruckende daran ist, sie hat mehrere Bedeutungsebenen. Eine davon ist die Schilderung Jesu als Trauerbegleiter. Jesus der mitgeht, der aufmerksam zuhört und das Geschilderte auf dem Hintergrund der Heiligen Schriften deutet. Nicht aufdringlich. Nein, mit viel Gespür und Verständnis. 
Und an diesem Punkt sind wir bei dem Anlass der uns heute hier zusammenführt. Die Einweihung unserer sanierten Friedhofskapelle, die von nun an den Namen Emmauskapelle tragen soll. 
Dieses Gebäude war in den letzten Jahren zu einer Leichenhalle geworden – einem Aufbewahrungsort für die Verstorbenen unserer Stadt. Die Bestatter, Floristen und unser Friedhofswärter versuchten – je nach ihrer Profession – die Kälte, das Dunkle und Deprimierende der Räumlichkeiten zu mildern. Unsere christliche Zuversicht brachten die Räume atmosphärisch nicht mehr zum Ausdruck. Das sollte und musste sich ändern. 
Heute können wir Ihnen und euch allen, nach einer umfangreichen Renovierung das Ergebnis unseres Mühens vorstellen. Aus diesem Gebäude ist ein Ort geworden, vor dem man sich – auch wenn der Gang hierher immer schwerfällt – nicht mehr fürchten muss, ein Ort, an dem man nicht mehr nur die verstorbenen Angehörigen aufsucht. Sondern ein Begegnungsort mit anderen Trauernden, mit Seelsorgerinnen und Seelsorgern unserer Gemeinde, Haupt- und Ehrenamtlichen, die sich die Sorge um die Hinterbliebenen zu eigen gemacht haben, und nicht zuletzt auch mit dem auferstandenen Christus, der uns und allen, die uns im Tod vorausgegangen sind, Hoffnung auf Leben schenkt. 
Von dieser Hoffnung künden vor zwei Kunstwerke, die hier in der neugestalteten Emmauskapelle zu finden sind. Da ist zum einen „Die endlose Straße“ von Josef Krautwald an der Seitenwand, die vor der Renovierung im Außenbereich der Friedhofskapelle aufgehängt war. Auf dieser Darstellung sind Menschen unterschiedlichen Standes und verschiedener Lebenssituationen, Personen aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft dargestellt. Arme und Reiche, Gute und Böse, Gesunde und Kranke, Einfältige und Gescheite, Große und Kleine. Bei aller Unterschiedlichkeit haben sie alle eines gemeinsam: sie sind auf dem gleichen Weg. Sie sind auf dem Weg durch das Leben. Und nicht nur das: Sie sind auf dem Weg durch das Leben in den Tod. Und so ist es gut, dass wir die Botschaft dieses Reliefs nicht mehr nur im Vorbeigehen wahrnehmen oder eben auch nicht, sondern immer dann, wenn wir zu einer Trauerfeier hier versammelt sind, uns an dieses gemeinsame Schicksal, das uns alle verbindet, erinnern. Aber - und das ist das Entscheidende - wird sind nicht nur auf dem Weg durch das Leben hinein in den Tod. 
Das macht uns vor allem das von Alfred Bullermann geschaffene neue Kreuz hier vorne deutlich. Aus Edelstahl ist es gefertigt. Zwölf Platten breit ist der Längsbalken. Ebenso Querbalken des Kreuzes. Zwölf Stunden hat der Tag, 12 Monate das Jahr. Symbol für unser Leben, für unsere Lebenszeit, für gute und schlechte Zeiten, Höhen und Tiefen. Alles – das Leben in seiner ganzen Bandbreite – hat im Zeichen von Tod und Auferstehung Jesu einen Platz. Deshalb sind die nebeneinandergelegten Edelstahlplatten an der Oberfläche wellenförmig gestaltet. Keine Welle entspricht der anderen, alle sind Unikate. So wie jedes einzelne menschliche Leben. Und wenn Sie auf das Kreuz schauen, dann werden Sie erkennen, dass von der Oberfläche dieses Kreuzes ein faszinierender Glanz ausgeht, dass das Licht sich in den unterschiedlichsten Facetten spiegelt. Und das ist von jedem Standort in der Kapelle unterschiedlich. Ein schöner Hinweis darauf, dass auf unserem Lebensweg mit seinen Höhen und Tiefen schon jetzt der Glanz von Ostern liegt. Dass auf den leichten, aber vor allem auch auf den schweren Wegstrecken unseres Lebensweges der Auferstandene mitgeht. Erst recht, wenn wir vom Tod eines nahestehenden Menschen getroffen sind, so wie die beiden Emmausjünger. 
Und deshalb ist mein Wunsch für unsere Emmauskapelle, dass sie im guten Sinne ein lebendiger Ort wird. Ein Ort der Begegnung von Mensch zu Mensch und von Mensch zu Gott. Ein Ort, an dem Trauer einen Platz hat, aber niemals allein ausgehalten werden muss sondern immer Begleitung erfahren darf. Ein Ort der Zuversicht, auf dem der Glanz von Ostern liegt – und sei er noch so unscheinbar. Dazu wollen wir Gott um seinen Segen bitten.

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Samstag:
17.00 Uhr: Vorabendmesse zum Sonntag in St. Vitus
Sonntag:
10.30 Uhr: Hochamt in St. Vitus
Dienstag:
08.30 Uhr: Hl. Messe in St. Vitus
Mittwoch:
19.30 Uhr: Hl. Messe in St. Vitus
Donnerstag:
08.30 Uhr: Hl. Messe in St. Vitus
Freitag:
08.30 Uhr: Hl. Messe in St. Vitus
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