Der heilige Vitus – Patron unserer Pfarrkirche und Kirchengemeinde

Lebensdaten: Geboren um 297 auf Sizilien (Italien), gestorben um 304 in Rom.
Vita:
Vitus, der als Knabe in der Christenverfolgung unter dem römischen Kaiser Diokletian starb, wurde im 14. Jahrhundert zu einem der 14 Nothelfer der katholischen Kirche erhoben. Er war von seiner Amme Creszentia und seinem Lehrer Modestus christlich erzogen worden, sehr zum Missfallen seines römischen Vaters. Als dieser ihn aufforderte, dem christlichen Glauben abzuschwören, weigerte sich Vitus und flüchtete mit Creszentia und Modestus nach Lucana in Unteritalien, wo sie der Legende nach von einem Adler mit Nahrung versorgt wurden.
Eines Tages wurden die drei entdeckt und Diokletian vorgeführt. Obschon Vitus den Sohn des Herrschers noch von einer schweren Krankheit heilte, ließ der Kaiser sie gemeinsam in einen Kessel mit siedendem Öl werfen. Aus diesem jedoch konnten sie unversehrt wieder hinaussteigen. Die Löwen, denen sie zum Fraß vorgeworfen werden sollten, legten sich ihnen zahm zu Füßen. Rasend vor Wut, ließ Diokletian die drei Christen daraufhin enthaupten. Mehrere Adler bewachten die drei Leichname, bis dass eine Christin kam, um sie zu bestatten. Reliquien des Vitus befinden sich hauptsächlich in der Prager Sankt-Veit-Kirche, aber auch in zahlreichen anderen Gotteshäusern.
Namensbedeutung:
„Vitus“ ist lateinisch und heißt „lieber Kleiner“.
Darstellung:
Als Knabe, oft in vornehmer Kleidung, mit Buch, Löwen, Ampel, Kessel, Hahn, Brot und Knüttel, auch mit Adler und Hasen.
Patron: Von Rügen, Pommern, Niedersachsen und Böhmen, der Jugendlichen, Kupfer- und Kesselschmiede, Brauer, Apotheker, Bergleute, Winzer, Schauspieler, Krüppel, Lahmen, Tauben, Blinden, der Haustiere, Hunde, des Geflügels, der Quellen, gegen Besessenheit, Epilepsie, Hysterie und Tollwut, gegen Krämpfe, Aufregung, Schlangenbisse, Bettnässen, Augenkrankheiten, Gehörlosigkeit, Unwetter, Blitz und Feuergefahren, gegen Unfruchtbarkeit, für Aussaat und Ernte und Bewahrung der Keuschheit.

 (Quelle: www.kirchensite.de)

Löninger Festgesänge

Weihnachten:
Der Tag ist groß und freudenreich
für alle Adamskinder.
Gott selbst wird heut‘ den Menschen gleich,
um zu erhöhn uns Sünder.
Die Jungfrau hat durch Gottes Macht,
Gott als ein Kind zur Welt gebracht;
o unerhörte Dinge.

Ostern:
Christus ist auferstanden,
wir sind erlöst von Banden des Todes.
Christen freuet euch,
nun gibt uns Gott sein ew’ges Reich.
Alleluja! Alleluja! Alleluja!

Pfingsten:
Gott, der du die Menschen liebst,
deinen Geist den Frommen giebest;
reuevoll fleh ich Herr zu dir:
gib doch deinen Geist auch mir,
dass er mein Herz erfreue.
Mich dir ganz zum Tempel weihe.

Lied zum hl. Vitus:

1. Nicht um Perlen, nicht um Gold,
Nicht um Reichtum aller Welt
Geb ich meinen Christensinn,
Meines Jesu Glauben hin.

2. Also sprach Sankt Vitus fest,
War ein Knabe, schwach und rein,
Als der Heidenkaiser droht
Ihm mit Flammenmartertod.

3. Jesu lästern kann ich nicht,
Aber sterben wohl für ihn;
Nehmt mein Leben, nehmt mein Blut,
Stürzt mich in die Flammenglut!

4. Und der Kaiser hört’s ergrimmt,
Schwingt das Zepter zum Befehl.
Henkersknechte sind bemüht,
Dass das Öl im Kessel glüht.

5. Vitus aber klaget nicht,
In die heiße Glut getaucht,
In den Himmel sieht er auf,
Endend seiner Qualen Lauf.

6. Engel winken ihm herab
Aus des Himmels lichten Höhn,
Zeigen ihm den Sternenkranz
Und des Himmels Strahlenglanz.

7. Und so sei des Knaben Tod
Uns ein hocherfreulich Bild,
Dass wir ohne Furcht und Scheu
Unserm Heiland bleiben treu.

Schriftliches Zeugnis aus dem Pfarrarchiv aus dem Jahre 1354

 "Wi Johan und Sveder brodere gheheten Stenbeken, de nu wonene sinnen tho Ibbenburen, wi unde unse rechten anerven bekennet unde betuget openbare allen den ghenen, de dessen bref seet unde horet lesen, dat wi hebbet vorkoft unde vorkopet vor vere markh penninge Osenburgisch da tingelt, dat wi hadden in deme wicbolde tho Loninghen, deme heylighen Lichammen Godes in der kercken tho Loninghen to luchte, des sint vere scillinch gheldes, und eis vrig doresclachtich got, des is tve scillinch geldeß in Johannes hus tho den Brincke unde tve in Hinrikes hus, gheheten Rolvinch, unde dat dartho horet. Mit unnerscede, dat Johan to den Brincke hevet sulven quit ghekoft tvelf penninghe van sinen tven scillinghen, unde dre scillinghe tho blivene bi deme heylighen Lychamme tho luchte ewich unde jummer mer. Hirumme so love wie Johann unde Sveder brodere unde unse rechten anervene en truwen ene rechte warescop tho holdne deme heylichen Lychammen Godes tho Loninghen unde deme ghenen, de dat vorwaret, van siner weghene. Do desse kop ghemaket wort, dar was over Otto van Sulinghen, en voget to Loninghen, unde Johan de Molner unde Lambert Rune, en meygere to Loninghen unde Meynrich de koster to Loninghen unde Hinric Sconemor unde Johan de Bodeker unde vele goder lude vort mer. So late wie vorescrevenen dit got up vor minen heren van Thekeneborch unde vor sinen borchmanne vor vrig got, unde van minen heren en ne gheyt tho lene, deme heylighen Lichammen Godes in der kercken to Loninghen tho luchte. Dat dit ghescen is vor uns, darumme so hebbe wir greve Clawes van Thekeneborch unde van Querm unse seghel to dessen breve ghehangen. Vortmer tho ener vestinche unde tho ener betuginche desser vore screvenen dinch hebbe wi Johan unde Sveder brodere unse seghele to dessen breve ghehanghen. Ghegheven na Godes bort drutteynhundert jar in deme verundvifteghesten jare in deme heylighen avende sunte Philippusses unde Jacopes der heylighen apostole."

Die klassizistische Kirche in Löningen

Eine der bemerkenswertesten architektonischen Leistungen der Region ist die klassizistische Kirche zu Löningen. Sie wurde unter großen Schwierigkeiten zwischen 1809 und 1813 erbaut. Sie ist die größte pfeilerlose Saalkirche Deutschlands, mit dem freistehenden 54 m hohen Glockenturm.
Freistehend auf dem geräumigen Platz, erhebt sich der kubische Baukörper mit dem allseitig abgewalmten Dach.
Monumentalität erlangt die Kirche sowohl durch die sparsame Gliederung, als auch durch die Proportionierung der schmalen und hohen Rundbogenfenster. Maßgebend für den Gesamteindruck hingegen ist die Gestaltung der Portale. Wohl nicht zu Unrecht wird David Gilly als Vorbild in Anspruch genommen.
Ein hängendes Spiegelgewölbe überspannt das Schiff von 43 Meter Länge und 51,50 Meter Breite. Eine polychrome Säulenstellung hebt den Altarraum im sonst weiß gehaltenen Kircheninneren hervor. Die Ausstattungsstücke stammen aus Barock und Rokoko und fügen sich angenehm ein. Hervorzuheben ist der auch der Orgelprospekt.

Freistehender Glockenturm

Der Turm der Löninger Kirche blieb bis 1824 halbfertig stehen. Bereits auftretende Schäden am Turmstumpf ließen es nicht ratsam erscheinen, ihn bis zu der von Schmidt geplanten Höhe von 85 m hochzuziehen. Zwar wurde der Turm in geringerer Höhe (50 m) fertiggestellt, und am 20. Juli 1826 wurden Turmhelm, Kreuz und Hahn aufgerichtet; aber er stürzte am II. Dezember 1827 ein und wurde nicht wieder aufgebaut, da entsprechende Mittel zum Bau eines neuen Kirchturmes nicht zur Verfügung standen. 1835 errichtete man einen behelfsmäßigen, freistehenden hölzernen Glockenturm, der 1855 durch einen zweiten und 1884 durch einen dritten ersetzt werden musste. 1959 wurde dieser letzte hölzerne Turm abgebrochen und der gegenwärtige Löninger Kirchturm errichtet, ein frei neben der Kirche stehender Turm, der inzwischen zum Wahrzeichen Löningens geworden ist. In seiner Architektur erinnert er an die Glockentürme in Italien (Campanile).

Die Glocken von St. Vitus und ihre Geschichte

Die älteste Glocke stammt aus dem Jahre 1501. Über 400 Jahre hat sie die Einwohner von Löningen zur Feier der hl. Geheimnisse eingeladen. Über 400 Jahre hat sie mit ihnen Freud und Leid geteilt. Die Glocke gab später auch den Einwohnern kund, wie es um die Zeit stand, denn sie diente als Anschlag für die Kirchenuhr.
Ob damals nur die eine Glocke angeschafft worden ist oder mehrere ist leider nicht mehr festzustellen. Am 15. Oktober 1603 hatte ein Orkan den Turm völlig zerstört. Es wurde ein neuer gebaut, aber mit so unzulänglichen Mitteln, dass im Jahre 1651 die Glocken – also waren es damals schon mehrere – aus dem Turm herausgenommen und in einem eigenen Glockenhaus untergebracht werden mussten, weil der Turm unter der Last der schweren Glocken zusammenzubrechen drohte.
Bei dem Einsturz des Turmes am 11. Dezember 1827 hingen vier Glocken im Gebälk. Der Chronist meldet, dass sie bei dem Sturz ziemlich unbeschädigt geblieben seien, außer dass die kleine Glocke die Krone verloren habe.
Nach dem Turmeinsturz wurde ein Glockenhaus an der Südwestseite des Kircheneinganges errichtet, in dem die Glocken untergebracht wurden. Es scheint aber, dass sie durch den Sturz doch mehr Schaden erlitten haben, als man zuerst angenommen hatte, denn am 18. November 1855 wurden drei neue Glocken, wie in der Chronik zu lesen ist, geweiht. In diesem Jahre wurde auch eine Mission abgehalten, und als Erinnerung das Missionskreuz, das vor der Kirche steht, errichtet.
Von den drei Glocken hatte die erstere den Namen Ludgerusglocke. Sie war also benannt nach dem ersten Bischof der Diözese Münster. Die Inschrift ist leider nicht mehr bekannt. Die Glocke war auf den Ton „d“ eingestimmt, sie wog 1976 kg.
An der Marienglocke war die Inschrift zu lesen „Vox mea, Vox vitae, voco vos, ad sacra venite.“ (Meine Stimme ist die Stimme des Lebens, ich rufe euch, kommt zum Heiligtum.) Die Glocke gab den Ton „e“ wieder. Sie war 1391 kg schwer und ihr unterer Außendurchmesse betrug 1,25 m.
Die Dritte Glocke war St. Vitus, dem Patron der Löninger Kirche geweiht. Sie trug als Inschrift die Bitte: „Sancte Vite, ora pro nobis“. (Heiliger Vitus, bitte für uns.) Die Glocke schwang den Ton „fis“, sie hatte ein Gewicht von 954 kg.
Auf allen drei Glocken stand zu lesen: „Petit et Fratres Edelbrock me fecerunt. MDCCCLV.“ (Petit und Gebr. Edelbrock haben mich gegossen. 1855.)
Im Jahre 1883 wurde ein Neubau des Glockenturmes notwendig, da der kurz nach dem Einsturz des Turmes erbaute baufällig geworden war. Das Glockenhaus wurde am Silvesterabend 1883 „unter Feierlichkeit mit bengalischer Beleuchtung“ wie zu lesen ist, eingeweiht. Über die endgültige Fertigstellung heißt es in der Chronik: „Am 16. Mai“ – man zählte das Jahr 1884 – „wurde endlich das neue Glockenhaus beendet, soweit es der Annehmer Raters von Duderstadt fertigzustellen hatte, nachdem bereits der Zimmermeister Anton Karnbrock am 22. März des Jahres die Glocken in demselben aufgehängt und zuerst am Abend vor Josefsfest mit denselben geläutet hatte. Das Umhängen der Glocken kostete nur 85,-- M beim Mindestforderungsgebote.
Ende des Jahres 1883 waren die Glocken von einem Fachmann untersucht worden. Darüber wir berichtet: „Am 29. November 1883 erschien auf Veranlassung des Kirchenvorstandes der Glockengießer Edelbrock aus Gescher i. W., um die im Anfang der fünfziger Jahre von jener Firma gegossenen Glocken zu untersuchen, ob dieselben vor ihrer Übertragung in das neue Glockenhaus auch umgehangen werden müssten, respektive ob sonstige Reparaturen nötig seine. Derselbe erklärte, dass alle drei Glocken, von Kleinigkeiten abgesehen, sich in sehr gutem Zustande befänden, machte aber den Vorschlag, die sogenannte Messglocke (es war wohl die aus dem Jahre 1501 stammende gemeint) als vierte Glocke ins Glockenhaus zu hängen und eine kleine Glocke mit einem Dachreiter auf die First des Daches anzubringen. Dieses Projekt soll in nächster Zeit  dem Gemeinderate vorgelegt werden.“ Der Gemeinderat hat den Vorschlag beschlossen, der Beschluss ist aber nicht durchgeführt worden, da man damals vielleicht ernsthaft an einen Neubau des Turmes dachte.
Diese drei Glocken hatten ein sehr schönes Geläut. Die Leute waren mit ihnen verwachsen, sie liebten ihren Klang, der voll und melodisch und rein war. Die Töne der Glocken waren sauber und fein aufeinander abgestimmt.
Bis zum Jahre 1917 haben diese Glocken ihre Stimme hören lassen. Da mussten die Ludgerus- und die Vitusglocke für Kriegszwecke abgegeben werden. Die Marienglocke blieb.
Nach dem Kriege wurde die Vitusglocke wiedergeholt, sie musste aber neu gegossen werden. Im Jahre 1923 kam sie nach Löningen zurück. Sie trug die alte Inschrift, weiter war zu lesen: „Petit et Fratribus Edelbrock anno MDCCCLV Fusa MCMXXIII Refromabar.“ (Durch Petit und Gebr. Edelbrock bin ich im Jahre 1855 gegossen und 1923 erneuert. Die Glocke war wie ehedem auf den Ton „fis“ gestimmt. Sie wog 680 kg und ihr unterer Außendurchmesser betrug 1,09 m.
Am Palmsonntag des Jahres 1933 wurde die dritte Glocke geweiht, sie trug den Namen Christ-Königs-Glocke. Die Inschrift lautete: „Christus, dem König bin ich geweiht, sein Lob verkünd ich allezeit. 1933.“ In einem Kreis darunter las man: „Ego Rex pacem meam do vobis.“ (Ich, der König, gebe euch meinen Frieden.) Als Abschluss stand die Bitte: „König der Herrlichkeit, schenk uns deinen Frieden.“ Wie die Ludgerus-Glocke gab diese den Ton „d“ wieder. Ihr Gewicht betrug 1700 kg, und der untere Durchmesser umfasste 1,37 m.
Die Glocke hat nur 9 Jahre das Lob des Königs Christus verkündet. Am Feste Mariä Himmelfahrt des Jahres 1942 läuteten alle drei Glocken ein letztes Mal. Sie verstummten dann auf immer. Ihr Material wurde für Kriegszwecke verwendet. Außer den dreien musste eine ganz kleine Glocke, die die Viertel-, Halb- und Dreiviertelstunden angezeigt hatte, abgegeben werden. Sie war 50 kg schwer und der untere Außendurchmesser war 36 cm groß.
Vom Jahre 1942 bis 1948 war die Kirche ohne große Glocke. Am Freitag, dem 17. Dezember 1948 wurden zur Freude der ganzen Gemeinde die neuen Glocken eingeholt und am 19. Dezember desselben Jahres geweiht. Sie kommen aus der Glockengießerei Albert Junker, Brilon. Sie tragen die Namen ihrer Vorgängerinnen und sind den gleichen Personen geweiht wie diese.
Die Christ-Königsglocke, auf der das Christuszeichen aufgedrückt ist, trägt die Inschrift der ehemaligen Glocke gleichen Namens: „Christus, dem König bin ich geweiht, sein Lob verkünd ich allezeit.“ Die Glocke ist auf den Ton „d“ abgestimmt, sie wiegt 2033 kg, ihr Durchmesser beträgt 1,49 m.
Die Marienglocke hat die Inschrift ihrer Vorgängerin, außerdem trägt sie den Namen „Maria“ und den Wahlspruch des früheren Bischofs Michael Keller: „Iter para tutum.“ Der Spruch kommt aus dem Lied: „Ave maris stella“ (Meerstern, ich dich grüße). Übersetzt lautet er: „Behüt uns auf der Reise“. Die Glocke klingt im Ton „e“ wie ihre Vorgängerin. Sie ist 1445 kg schwer und hat einen Durchmesser von 1,32.
Die gleiche Inschrift wie an der alten ist auch an der neuen Vitusglocke zu lesen, außerdem ist noch der Name „Vitus“ angebracht und der Wahlspruch eines gewaltigen Gottesstreiters, des Kardinals Clemens August, Graf von Galen: „Nec laudibus, nec timore.“ (Ich handle nicht des Lobes wegen, ich handle nicht aus Furcht.) Die Glocke singt den Ton „fis“. Sie hat das Gewicht von 1016 kg und einen Durchmesser von 1,17 m.
Das Geläut der St. Vitus-Kirche besteht aus sechs Glocken, die die Gläubigen zum Gebet und zu den Gottesdiensten rufen:

Name

Gewicht

Durchmesser

Ton

Jahr

Gießer

Christkönig

2033 kg

149 cm

D'

1948

Junker, Brilon

Marien

1445 kg

132 cm

E'

1948

Junker, Brilon

Vitus

1016 kg

117 cm

Fis'

1948

Junker, Brilon

Antonius

473 kg

94 cm

A'

1960

Petit & Edelbrock, Gescher

Josef

320 kg

82 cm

H'

1960

Petit & Edelbrock, Gescher

Denkmalglocke

400 kg

88 cm

H'

1501

Johannes Fresco

Baugeschichte des Glockenturms

Erst 1824 übernahm der Oldenburger Baukondukteur Carl Heinrich Sievogt, der schon in Lohne mit dem westfälischen Klassizisten in Kontakt gekommen war, die Vollendung des Turms nach den reinkingschen Plänen, nicht ohne dieselben Mängel an den Fundamenten festgestellt und dieselben Bedenken wie August Reinking geäußert zu haben. Der viergeschossige Turm mit reinkingscher Attika erreichte knapp 50 Meter Höhe. Schmidt hatte seinerzeit noch rund 79 Meter allein für das aufgehende Mauerwerk in Anschlag gebracht. Am 20. Juli 1826 waren mit der Aufrichtung des Turmkreuzes samt Wetterhahn die Arbeiten abgeschlossen. Lange währte freilich die Freude nicht: Morgens kurz nach 7 Uhr, am II. Dezember 1827, stürzte das neue Löninger Wahrzeichen unter lautem Getöse ein. Eine Tote, ein völlig zerstörtes Wohnhaus, eine stark beschädigte Knabenschule und schwere Schäden am Ostchor der Kirche mitsamt dem Inventar waren die Bilanz dieses vorhersehbaren Turmeinsturzes. Hergang und Folgen dieses Unglücks lassen darauf schließen, dass zuerst die Westwand des Turms, zugleich Chorostabschluss, dem Druck nachgab und zwar gen Kirchenchor. Dadurch neigte sich die östliche Turmmauer in die entgegengesetzte Richtung und begrub das gegenüberliegende Wohnhaus unter sich. Dieses Geschehen bestärkt in der Vermutung, dass aus Kostengründen tatsächlich das Mauerwerk des Chores aus dem 17. Jahrhundert in den Neubau einbezogen worden war. Warnende Stimmen hatte es schon früh gegeben. So monierte der Oldenburger Baumeister Wöbken, der den Erbprinzen bei einem Besuch der Löninger Baustelle begleitet hatte, schon 1809 die unsachgemäße Fundamentierung. Bereits 1811, als der verantwortliche Architekt Schmidt noch vor Ort war, zeigten sich die ersten Risse am noch niedrigen Turmstumpf. Und dem Einsturz gingen deutliche Warnzeichen voraus: Der Lastruper Dechant Beckering berichtete, dass sich seit dem 6. Dezember 1827 Tag für Tag größer werdende Risse im Turmmauerwerk gezeigt hätten. Der Chor der Schmidt-Kirche wurde nicht wiederaufgebaut. Bis 1832 ersetzte man ihn durch die jetzige Lösung, bei der der Innenraum nicht dem Baukörper entspricht: Das Langhaus wurde in voller Breite um das Chorjoch verlängert, was jedoch im Innenraum Querwände und der sich peristylartig öffnende Chor, deutlich schmaler als der Saal, verschleiern. Dieser barocke Ideen aufgreifenden Raumauffassung kam die seinerzeitige Planänderung durch Johann Nepomuk Schmidt entgegen. Auf das zunächst vorgesehene und wohl auch gewünschte hölzerne Gewölbe, wahrscheinlich eine Längstonne, gestützt auf hölzerne Wandvorlagen, hatte der Baumeister zugunsten eines französischen Plafonds mit ausgeprägter Deckenkehle verzichtet. Insofern wurde die von den Löningern gewünschte Anlehnung an die St.-Andreas-Kirche im späteren Cloppenburger Ortsteil Krapendorf, ein durchaus bemerkenswerter barocker Saalbau, konsequent weiterentwickelt. Auch die Abänderung des zunächst geplanten Mansarddaches des Langhauses in ein Walmdach begünstigte die vom Turmeinsturz ausgelöste bauliche Erweiterung: Zur Eindeckung wurde das schmidtsche Kirchendach einfach nach Osten verlängert und mit einem neuen Walm versehen. Das erklärt auch, warum diesem Teil des Dachstuhls wesentliche Elemente der wohldurchdachten Schmidt-Konstruktion fehlen.

Der zusammengebrochene Ostturm, der einst so hoch werden sollte wie der Westturm der Krapendorfer Andreas-Kirche, wurde nie wieder aufgebaut. Ihn mussten fast 150 Jahre lang hölzerne Glockentürme südwestlich des Gotteshauses ersetzen. Auch der 1960 vollendete massive Turm folgt dieser Tradition des Campanile.

Aus: "Löningen in Vergangenheit und Gegenwart", 1998

Ausstattung der Pfarrkirche St. Vitus

Die St. Vituskirche in Löningen, die als eine der ältesten Kirchengründungen im Oldenburger Münsterland auf eine lange, bis ins frühe Mittelalter reichende Geschichte zurückblicken kann, wird heute weitgehend geprägt durch eine aus verschiedenen Kirchen zusammengetragene, vornehmlich aus der Barockzeit stammende Ausstattung. Einzig die monumentalen, aus Terrakotta gefertigten Apostelfiguren, die sich an den Längswänden der Kirche befinden, wurden für den heutigen, zwischen 1809 und 1813 in klassizistischen Formen errichteten Bau der St.-Vitus-Kirche geschaffen; die übrigen Teile der Ausstattung -darunter Hochaltar, Seitenaltar, Kanzel und Orgel - wurden aus anderen Kirchbauten für die Löninger Kirche erworben.
Es fällt deshalb nicht leicht, sich eine Vorstellung von dem mittelalterlichen Vorgängerbau der heutigen Kirche und seiner künstlerischen Ausgestaltung zu machen. Aus archivalischen Nachrichten ist jedoch bekannt, dass gegen Ende des 15. Jahrhunderts in der Kirche insgesamt vier Altäre vorhanden waren - der dem Hl. Vitus geweihte Hochaltar, der Altar der 1495 errichteten St.-Anna-Vikarie sowie zwei weitere Altäre, deren Patrozinien nicht mehr festzustellen sind.
1501 wurde die St.-Vitus-Kirche zudem mit einer von dem Osnabrücker Glockengießer Johannes Friso (oder Freese) geschaffenen Glocke ausgestattet, die sich bis zum heutigen Tage in Löningen bewahrt hat. In jüngster Zeit konnte zudem der alte, zeitweise in Privatbesitz befindliche Taufstein der St.-Vitus-Kirche in den Kirchenraum zurückgeholt werden; der pokalförmige, nur mit zwei aus dem Stein herausgearbeiteten Taubändern geschmückte Taufstein dürfte gegen 1200 entstanden sein.
Auch von der nachmittelalterlichen, im Verlauf des 16., 17. und frühen 18. Jahrhunderts geschaffenen Ausstattung der alten Löninger Kirche ist nur wenig bekannt. Erhalten haben sich aus dieser Zeit in der St.-Vitus-Kirche nur mehrere Goldschmiedearbeiten, darunter ein um 1600 geschaffener Kelch und eine Sonnenmonstranz des Osnabrücker Goldschmiedes Heinrich Theodor Hartmann von 1708. Archivalisch überliefert ist zudem, dass bei den bischöflichen Visitationen der Jahre 1651 und 1654 die Vielzahl der Altäre in der Löninger Kirche bemängelt wurde, woraufhin zwei der insgesamt vier Altäre aus der Kirche entfernt und in den Gutskapellen ihrer Stifter wieder aufgestellt wurden.

Geschichte des Hochaltars

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts lässt sich jedoch auch in Löningen, wie in vielen der benachbarten Kirchengemeinden, ein erneutes Bemühen um eine zeitgemäße Ausgestaltung des Kirchenraumes feststellen. 1738 wurde dem in Holte (Kr. Emsland) ansässigen Bildhauer Thomas Simon Jöllemann der Auftrag für einen neuen, in hochbarocken Formen gehaltenen Hochaltar erteilt, für den, wie der noch vorhandene „Kontrakt und vergleich wegen eines erbauenden näwen alltars" belegt, eine Lieferfrist von insgesamt anderthalb Jahren vereinbart wurde; von diesem 1741 fertiggestellten, mit Figuren und Gemälden geschmückten Altaraufbau hat sich jedoch außer dem Tabernakel nichts mehr erhalten.
Den Angaben des Kontraktes nach zu urteilen, folgte der dem Hl. Vitus geweihte Altar dem üblichen zweigeschossigen Aufbau der großen Jöllemann-Altäre dieser Zeit, vergleichbar den Hochaltaraufbauten der katholischen Pfarrkirchen in Holte (1715/17) und Rhede (um 1719, heute in Sustrum) sowie der beiden Klosterkirchen in Osnabrück (Dominikanerkirche, 1718, und St.-Gertruden-Kirche, 1729). 1738, also im selben Jahr wie die Löninger Kirche, wurde zudem auch die St.-Marien-Kirche in Friesoythe mit einem stattlichen, bis in das Gewölbe reichenden Altaraufbau der Jöllemann-Werkstatt ausgestattet, der sich ebenfalls nicht erhalten hat; ein vor seiner Beseitigung aufgenommenes Foto dieses Altaraufbaues lässt jedoch erahnen, wie der im selben Jahr geschaffene Löninger Jöllemann-Altar einst ausgesehen haben könnte.
Vor dem Abbruch der Löninger Kirche im Jahre 1809 wurden der Hochaltar und der ebenfalls noch vorhandene St.-Annen-Altar auseinander genommen und in den benachbarten Häusern verwahrt, um anschließend in der neu errichteten, 1813 weitgehend fertiggestellten Kirche wieder aufgestellt werden zu können. Der Hochaltar erwies sich nun allerdings als zu klein für die Dimensionen des neuen Chores, für einen größeren Hochaltar fehlte jedoch in dieser Zeit, unmittelbar nach dem Neubau der Kirche, das Geld.
Eine Lösung dieses Problems brachte die im Zuge der Säkularisation verfügte Auflösung des Vechtaer Franziskanerklosters im Februar 1812 mit sich, dessen sakrale Ausstattung dort nicht mehr benötigt wurde. Im Herbst 1813 und im Frühjahr 1814 konnten schließlich (nach verschiedenen Auseinandersetzungen und Streitigkeiten, die hier nicht näher geschildert werden können) große Teile der Ausstattung der Vechtaer Franziskanerkirche - darunter der Hochaltar, die Kanzel und die Orgel - nach Löningen gebracht werden. Der alte Hochaltar aus der Jöllemann-Werkstatt und der St.-Annen-Altar wurden als Seitenaltäre wieder aufgestellt.
Die prachtvolle Ausstattung der Franziskanerkirche blieb jedoch nur wenige Jahre in dieser Geschlossenheit erhalten. Der 1731 zur Einweihung der Klosterkirche geschaffene und seit 1813/14 in Löningen wiederaufgestellte Hochaltar wurde 1827 beim Einsturz des unmittelbar zuvor fertiggestellten Kirchturmes stark in Mitleidenschaft gezogen und größtenteils zerstört; einzig das 1789 hinzugefügte Tabernakel des Hochaltares blieb erhalten. Die mit zarten, frühklassizistischen Ornamenten geschmückten Teile des Altares, die sich heute in der Kath. Pfarrkirche in Benstrup befinden, dürften, wie Vergleiche zeigen, von dem Vechtaer Schreiner und Bildhauer Herbert Wichmann geschaffen worden sein.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die St.-Vitus-Kirche schließlich im Inneren, dem nun allgemein bevorzugten Stil folgend, im neugotischen Sinne umgestaltet, wozu zunächst die noch vorhandenen Altäre -der notdürftig wiederhergestellte Hochaltar (aus der Klosterkirche), der Jöllemann-Altar (der vormalige Hochaltar) und der St.-Anna-Altar - entfernt wurden. 1876 wurde ein neuer Hochaltar aufgestellt, der zwei Jahre darauf durch zwei Seitenaltäre ergänzt wurde. Angefertigt wurden die drei einer einheitlichen Gesamtkonzeption folgenden Altäre durch den Baumeister Fritz Ewertz in Münster, der in den nachfolgenden Jahrzehnten — möglicherweise auch aufgrund seiner Löninger Arbeiten — des Öfteren mit Aufträgen aus dem Oldenburger Münsterland bedacht wurde. Die Figuren dieser Altäre schuf der aus dem Hümmling stammende, in späteren Jahren (ab 1888) in Osnabrück ansässige Bildhauer Lucas Mernken (1860-1934), der in dieser Zeit (1875-79) seine Lehre bei Ewertz absolvierte. Erhalten haben sich hiervon die Kreuzigungsgruppe des Hochaltares (über dem Südportal), die Figuren der Apostelfürsten Petrus und Paulus (ebenfalls aus dem Hochaltar, heute im Obergeschoß des jetzigen Hochaltares) sowie die zentralen Figuren der beiden Seitenaltäre, Maria und Joseph; die vier kleineren Figuren der beiden Seitenaltäre sind hingegen nicht mehr vorhanden.

Geschichte der Kanzel

Die Kanzel, die ungefähr zeitgleich mit dem Hochaltar zur Einweihung der Klosterkirche, d. h. um 1730, geschaffen wurde, hat sich hingegen innerhalb der Ausstattung der St.-Vitus-Kirche bis zum heutigen Tage bewahrt. Kernstück des Aufbaues ist ein polygonaler, mit den Figuren der vier Evangelisten versehener Kanzelkorb, über dem eine mit Ornamenten überzogene Rückwand angebracht ist. Unmittelbar darüber setzt der reich profilierte, mit den Wappen der Stifterfamilien Dorgeloh und Voß gekennzeichnete Schalldeckel an, dessen Bekrönung aus vier kräftigen, mittig zusammenstrebenden Akanthusvoluten gebildet wird. An der Spitze dieser Bekrönung ist eine Figur des Guten Hirten angebracht, die sich jedoch stilistisch von dem Gesamtaufbau und den kleinteiligen, lebendig-bewegten Figuren der Evangelisten abhebt.
Die Datierung der außerordentlich reich mit Figuren und Ornamenten geschmückten Kanzel war bislang nicht eindeutig geklärt. Das archivalisch überlieferte Stiftungsdatum 1698 (oder 1695), das noch unlängst zur Datierung des gesamten heutigen Aufbaues verwandt wurdet kann sich jedoch nur auf eine frühere Kanzel beziehen, die für den gegen Ende des 17. Jahrhunderts errichteten Vorgängerbau der Klosterkirche geschaffen wurde. Gestiftet wurde diese Kanzel durch Friedrich von Dorgeloh, den Besitzer von Gut Brettberg, und seine Frau Maria Catharina Voß, die den Predigtstuhl bei einem (namentlich nicht überlieferten) Bildhauer in Münster in Auftrag gaben.
Einzig die recht muskulös aufgefasste Figur des Guten Hirten, die sich in ihrem an flämischen Vorbildern geschulten, hochbarocken Stil von den übrigen Figuren der Kanzel deutlich unterscheidet, könnte noch aus dieser 1695 geschaffenen Kanzel stammen, wo sie in derselben Funktion angebracht gewesen sein dürfte, ebenso die volutenförmigen Akanthusranken auf dem Schalldeckel. Stilistisch unmittelbar verwandt erscheinen mehrere Arbeiten des münsterschen Bildhauers Wilhelm Heinrich Kocks (f 1705), darunter eine (im Krieg zerstörte) Darstellung des Hl. Josephs in der Kath. Pfarrkirche in Borken, die durch eine vergleichbare Gesamtauffassung und einen ähnlich fein modellierten Kopf charakterisiert wurde; der Löninger Christus wird ebenfalls von W. H. Kocks gefertigt worden sein.
Der Kanzelkorb und seine schlanken, in locker fallende Gewänder gekleideten Evangelistenfiguren lassen hingegen einen gänzlich anderen, abweichenden Stil und eine sehr viel kleinteiligere Formensprache erkennen, deren Charakteristika jedoch mit der Fertigstellung und Einweihung der Klosterkirche im Jahr 1731 gut in Einklang zu bringen sind. Die betont ponderierten, mit ihren Gesten über die Nischen des Kanzelkorbes hinausgreifenden Figuren dürften demnach einer etwas späteren Stilstufe angehören als der auf dem Schalldeckel aufgestellte Gute Hirte, der noch ganz hochbarocken Vorstellungen folgt; eine Zuschreibung der Figuren fällt jedoch aufgrund des unbefriedigenden Forschungsstandes zur westfälischen Skulptur dieser Zeit nicht ganz leicht.

Geschichte der Orgel

Das prächtige Orgelgehäuse von 1768 stammt aus der Franziskanerkirche in Vechta. Joh. Gottlieb Müller aus Osnabrück baute die dazugehörige Orgel in den Jahren 1766 bis 1970.
Er führte nur die reinen Orgelbauarbeiten aus. Alles Übrige, z. B. die Arbeiten am Prospekt, wurde von den Klosterleuten übernommen.
Mit der Aufhebung des Klosters 1812 bekamen die Löninger eine Überlassungsurkunde u. a. für die Orgel von Herzog Peter Friedrich Ludwig von Oldenburg. Nach einem heftigen Streit zwischen Löningen und Vechta stellt der Orgelbauer Schmidt das Instrument schließlich 1814 in Löningen. Er nahm einige Veränderungen vor, z. B. an der Traktur.
1921 baute Fleiter eine neue Orgel mit pneumatischer Traktur und einem freistehenden Spieltisch. Auch klanglich hatte das Werk keine Beziehung mehr zum alten Prospekt.
Die Pfeifen blieben als stumme Attrappen stehen. 1970 kam es zum Neubau der jetzigen Orgel durch Alfred Führer, Wilhelmshaven, nachdem der historische Prospekt von Dr. Bohland aus Hildesheim restauriert und um die 16-Fuß-Pedaltürme erweitert worden war.
Die Disposition [von Günther Berger] umfasst 37 Register mit über 2740 Pfeifen [davon klingen 160 im Prospekt], die auf 3 Manualwerke und das Pedal verteilt sind. Dazu gehören 8 Zungenchöre. Durch ihre "andere Tonerzeugung" [aufschlagende Messingplättchen] bedingt, müssen sie bei Temperaturschwankungen nachgestimmt werden. Der klangliche Reichtum einer Orgel hängt sehr von der Pflege der Zungenstimmen ab! Besonders zu erwähnen sind auch die beiden "exotischen Klangtrauben": Das Farbkornett im 1. Manual, und der Rauschbass im Pedal, die zum Teil seltene Obertonreihen enthalten.
Für die Register Copel 16' - und Terz 3 1/5' im Hauptwerk stand die [große] Dreifaltigkeitsorgel Karl Joseph Rieps in der Benediktinerabtei Ottobeuren Pate.

Disposition der Führer-Orgel, 1970

3. Manual

2. Manual

1. Manual

Pedal

1 Quintatön 8'

9 Copel 16'

22 Gedackt 8'

32 Prinzipal 16'

2 Nachthorn 4'

10 Prinzipal 8'

23 Praestant 4'

33 Subbass 16'

3 Prinzipal 2'

11 Gemshorn 8'

24 Blockflöte 4'

34 Oktavbass 8'

4 Quinte 1 1/3'

12 Oktave 4'

25 Flachflöte 2'

35 Gamba 8'

5 Zimbel 3f.

13 Rohrflöte 4'

26 Terzflöte 1 3/5'

36 Oktave 4'

6 Krummhorn 8'

14 Terz 3 1/5'

27 Kornett 3f.

37 Quintade 4'

7 Trompete 4'

15 Quinte 2 2/3'

28 Scharff 5f.

38 Weitpfeife 2'

8 Tremolant

16 Superoktave 2'

29 Dulcian 16'

39 Rauschbass 5f.

 

17 Großmixtur 6-8f.

30 Franz. Trompete 8'

40 Posaune 16'

 

18 Fagott 16'

31 Tremolant

41 Zink 8'

 

19 Trompete 8'

 

42 Bw. - Ped.

 

20 Bw. - Hw.

 

43 Hw. - Ped.

 

21 Ow. - Hw.

 

44 Ow. - Ped

Geschichte der Apostel

Schon bald nach dem Einsturz des Kirchturmes im Jahre 1827 und der damit verbundenen Beschädigung des Hochaltares wurde damit begonnen, die Schäden zu beheben und die zu diesem Zeitpunkt vorhandene Ausstattung der St.-Vitus-Kirche zu erweitern. In den nachfolgenden Jahren wurden in Köln zwölf überlebensgroße, aus Terrakotta gefertigte Apostel in Auftrag gegeben, die sich bis heute in der Kirche erhalten haben. 1836 erfolgte der Transport von Köln nach Löningen, der Schöpfer der Figuren, zu denen auch das Vesperbild zu rechnen ist, wird in den Quellen jedoch nicht explizit genannt.
Derartige aus gebranntem Ton hergestellte Figuren und Reliefs haben im nordwestlichen Europa, insbesondere in den Bischofsstädten Utrecht, Lüttich und Köln, eine lange, bis ins Mittelalter zurückreichende Tradition, die in Köln zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch den Bildhauer Peter Joseph lmhoff (1768 - 1844) wieder aufgegriffen und von seinen Nachfolgern fortgeführt wurde. Die monumentalen Löninger Apostel, die sich in ihrer Komposition an die Apostel des Sebaldusgrabes in Nürnberg (St. Sobald) anlehnen, dürften jedoch von Wilhelm Joseph lmhoff (1791-1858), einem Neffen Peter Joseph lrnhoffs, geschaffen worden sein. Ein weiterer, ähnlich umfangreicher und bis heute vollständig erhaltener Terrakotta-Zyklus wie in Löningen ist unter den verhältnismäßig zahlreichen Werken der lmhoff-Familie ansonsten bislang nicht bekannt.

Umgestaltung

Bei den beiden nachfolgenden Renovierungen 1904 und 1935 wurde die Kirche, wie alte Fotos belegen, vollständig neu ausgemalt, die um 1876/78 erworbenen Altäre blieben jedoch zunächst erhalten. Die nächste, in den sechziger Jahren durchgeführte Renovierung führte jedoch zu einer grundlegenden Neuordnung des Kircheninventars, bei der -ganz im Sinne der damaligen Zeit - die drei neugotischen Altaraufbauten entfernt wurden. Im Chor der Löninger Kirche wurde stattdessen ein mächtiger, aus der Barockzeit stammender Altaraufbau aus der St.-Vituskirche in Altenoythe aufgestellt, der in Altenoythe seit der Restaurierung der dortigen Kirche (1957) nicht mehr benötigt wurdet.
Der zweigeschossige, ursprünglich mit einem Kreuzigungsgemälde versehene Aufbau, dessen heutige figürliche Bestandteile aus verschiedenen Zusammenhängen zusammengetragen wurden, dürfte gegen Ende des 17. Jahrhunderts entstanden sein, was sich insbesondere an der kraftvollen, durch Säulen, verkröpfte Gebälke und doppelte Sprenggiebel charakterisierten Architektur zeigt. Bestätigt und unterstrichen wird dies durch die beiden beiderseits des Mittelfeldes aufgestellten Figuren, die bereits in Altenoythe vorhanden waren und die demnach originär zu diesem Altaraufbau gehören. Beide Figuren, bei denen es sich trotz neuerer Attribute ursprünglich um die Apostel Petrus und Paulus handeln dürfte, lassen sich dem münsterschen Bildhauer Georg Dollart zuschreiben; zwei unmittelbar verwandte Figuren haben sich, bislang nahezu unbekannt, in der Siechenkapelle in Vechta erhalten. Der gesamte, aus Altenoythe stammende Altaraufbau wird demnach um oder kurz vor 1700 in der Dollart-Werkstatt in Münster gefertigt worden sein. Unterstrichen wird diese Zuschreibung zudem durch die in der Bekrönung aufgestellte Figur des Hl. Vitus, des Kirchenpatrons der Altenoyther und der Löninger Pfarrkirche, der ebenfalls der Werkstatt des Bildhauers Georg Dollart entstammt. Das im Obergeschoß angebrachte Gemälde der Auferstehung Christi, das ursprünglich mit einen zweiten, den Kreuzestod darstellenden Gemälde korrespondierte, dürfte darüber hinaus ebenfalls bereits ursprünglich für diesen Altaraufbau geschaffen worden sein.

Die übrigen Bildwerke des Altares wurden hingegen erst in Löningen dem Aufbau hinzugefügt. Das zentrale, möglicherweise noch aus der Barockzeit stammende Kruzifix wurde auf dem Dachboden der Kirche wiedergefunden und anstelle des Kreuzigungsgemäldes im Zentrum das Altares angebracht; dass es sich dabei um einen Überrest des früheren, aus der Klosterkirche in Vechta stammenden Hochaltares handelt, wie unlängst angenommen, erscheint jedoch mehr als zweifelhaft, da dieser Altar, den Quellen zufolge, ebenfalls mit einem Kreuzigungsgemälde versehen war. Die Figuren der Apostel Petrus und Paulus im Obergeschoß stammen hingegen, wie bereits dargestellt, aus dem 1876 aufgestellten, neugotischen Hochaltar.
Vervollständigt wurde die Umgestaltung der St.-Vitus-Kirche durch den Erwerb eines aus Süddeutschland stammenden, „in der Nähe vom Ammersee" erworbenen Marienaltares, der Anfang der sechziger Jahre, zusammen mit einem zweiten, als Pendant gearbeiteten Altar, im Kunsthandel angeboten wurde. Da beide Altäre damals nicht zusammen an eine Kirche verkauft werden konnten, wurde einer der beiden Aufbauten, durch Vermittlung des Generalvikariates in Münster, an die Kath. Pfarrkirche in Hopsten verkauft, wo er seitdem als Hochaltar verwandt wird, der zweite Altar wurde durch das Offizialat erworben und 1970 in Löningen aufgestellt. Der verhältnismäßig einfach aufgebaute Altar dürfte in der Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden sein. Eine weitere Restaurierung der Kirche, bei der die nahezu die gesamte Ausstattung neu gefasst wurde, wurde schließlich zwischen 1990 und 1992 durchgeführt - eine Umgestaltung, die mit dem neuen, 1992 geweihten Zelebrationsaltar des Bildhauers Ernst Rasche ihren vorläufigen Abschluss gefunden hat.

Aus: "Löningen in Vergangenheit und Gegenwart", 1998

Baugeschichte der katholischen Pfarrkirche St. Vitus

Dem jetzt bald 1200 jährigen Löningen erging es vor zwei Jahrhunderten wie nicht wenigen Gemeinwesen Alt-Westfalens: Mit dem Aufschwung des Handels, einem der Vorboten der industriellen Revolution, und der vorübergehenden Stabilisierung der politischen Großwetterlage, auch und besonders unter dem Krummstab, erholten sich Städte und Gemeinden von den Rückschlägen durch den 30 jährigen Krieg und die letzten großen Pestepidemien des 17. Jahrhunderts, erfuhren nun eine wirtschaftliche Blütezeit. Mit dem bescheidenen Wohlstand wuchs auch wieder die Bevölkerung. Über Jahrhunderte hatten die Gotteshäuser den Anforderungen genügt, nun waren sie vielerorts zu klein. Das galt auch für St. Vitus in Löningen, die alte Pfarrkirche des Hasegaues. „Es ist und bleibt wahr, dass die jetzige Kirche zu klein ist; Gedränge, Zank und Plauderei führen zur größten Unordnung und Zerstörung."
Über diese wohl aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts stammende Kirche, der Überlieferung nach der zweite Löninger Kirchenbau, liefern einige erhaltene Bestandsrisse, aufgenommen von dem Osnabrücker Maurermeister Johann Christoph Mang in Zusammenhang mit dem damals bereits projektierten Um-bzw. Neubau, sowie verschiedene im Löninger Pfarrarchiv verwahrte Aufzeichnungen ein recht genaues Bild. Der einschiffige Sakralbau, mit über quadratischem Grundriss errichtetem stattlichen Westturm, hatte annähernd die Länge der heutigen Kirche. Der wenige Jahre nach dem Ende des 50jährigen Kriegs erbaute Ostchor mit geradem Abschluss entsprach in der Breite dem Langhaus. Schiff und Altarraum trennten optisch lediglich drei Stufen und der eingezogene Schildbogen. Ein niedriger Sakristeianbau befand sich an der Chorsüdseite, mit diesem durch eine Tür unmittelbar neben dem Schildbogengewände verbunden. Die vier über differierenden querrechteckigen Grundrissen kreuzgratgewölbten Langhausjoche sowie die sich lediglich im westlichsten Joch am Gewölbescheitelpunkt orientierende Fensterstellung lassen vermuten, dass vom Vorgängerbau nicht nur das Material, sondern zumindest auch Teile des aufgehenden Mauerwerks wiederverwandt worden waren. Die lichte Höhe des Langhauses und die nachweislich ursprünglich noch kleineren romanischen Rundbogenfenster des Kirchenschiffs belegen, dass die Anlage basilikalen Zuschnitt hatte. Ob die Ausführung der Seitenschiffe von vornherein unterblieben war, oder ob diese noch im Mittelalter, wohl kaum erst im Gefolge der Bauaktivitäten des 17. Jahrhunderts wegen Baufälligkeit abgetragen werden mussten, ist unsicher. Fest steht aber immerhin, dass das Baumaterial, vor Ort gebrochener Rasenerzstein sowie Feldsteine, und der sandige Untergrund immer wieder statische Probleme aufwarfen. Orkane wie die der Jahre 1603 und 1703 taten ein übriges, Löningens St. Vitus in den Grundfesten zu erschüttern. Die letzte größere Baumaßnahme, wenige Jahrzehnte vor dem Abbruch der romanischen Kirche, galt der Behebung der Platznot: Der Einbau von Empören erwies sich jedoch auf Dauer als unzureichend. Zudem sah sich der 1789 vom Abt des Klosters Corvey, dem Patronatsherren, eingesetzte neue Löninger Pastor Mathias Wolffs bei seinem Amtsantritt mit einer wieder einmal recht baufälligen Pfarrkirche konfrontiert. Gleichwohl dauerte es noch bis 1809, ehe sich mit der Abbruchgenehmigung Entscheidendes ändertet.
Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Kirchengemeinde sowie die Folgen der Säkularisation waren die wesentlichen Gründe für die unverhältnismäßig lange Planungsgeschichte, die dem dritten Löninger St.-Vitus-Kirchenbau voranging. Die erste Planungsphase fiel noch in die Zeit des Niederstifts Münster, zu dem Löningen bis 1803 gehörte. Im Auftrag des Pastors Wolffs legte Johann Christoph Mang am 9. Oktober 1790 zwei Entwürfe vor, einen Umbau- sowie einen weitgehenden Neubauvorschlag. Beide sahen eine dreischiffige Kirche mit Westturm vor und unterschieden sich selbst in den Details nur geringfügig. Während dem Umbauentwurf allerdings die weitgehende Beibehaltung der vorhandenen Bausubstanz zugrunde lag, bezog das mangsche Neubauprojekt lediglich den einjochigen Chor des 17. Jahrhunderts mit ein. Der Neubau sollte geringfügig kürzer ausfallen als das alte Gotteshaus, beanspruchte aber mit seinen satteldachgedeckten drei Schiffen fast die doppelte Breite. Das Generalvikariat in Münster votierte gegen den Umbau und sprach sich grundsätzlich für einen Neubau aus. Streitigkeiten vor Ort verhinderten jedoch eine schnelle Lösung. Noch ehe die Dinge recht in Fluss kamen, traten tiefgreifende politische Veränderungen ein. Im Gefolge des Friedens von Luneville 1801 und im Vorgriff auf den Reichsdeputationshaupt-Schluss 1803 hörte das Fürstbistum Münster auf zu bestehen. Die Ämter Vechta und Cloppenburg, zu denen auch Löningen gehörte, fielen an das Herzogtum Oldenburg, seit der Reformation protestantisch. Seelsorgerisch blieb das Kirchspiel Löningen im Bistum Münster, doch von Staatswegen war nun die Oldenburger Regierungs-„Commission zur Wahrnehmung des landesherrlichen Rechtes hinsichtlich der katholischen Kirche" auch für den Kirchenbau zuständig. Die übernommenen münsterschen Beamten vor Ort, der auf dem Gut Duderstadt bei Löningen residierende Amtsdroste Freiherr von Korff-Schmising und der Amtsrentmeister Mulert, waren nun Vor-, nicht selten aber auch Nebeninstanz zur Kommission in Oldenburg. Mulert und der Freiherr von Korff, gen. Schmising, waren es auch, die schließlich 1804 in Sachen Löninger Kirchenbau die Initiative ergriffen. Vorausgegangen waren mehrere Vorfälle, die nicht nur die akute Baufälligkeit der katholischen Pfarrkirche dokumentierten, sondern auch ein umgehendes Einschreiten der Behörden notwendig machten. Als am 21. Oktober 1804 während der Messe unter einer der Emporen ein Balken brach, kam es zur Panik unter den Gläubigen und zu mehreren Verletzten beim fluchtartigen Verlassen der Kirche. Auch am folgenden Sonntag sowie an Allerheiligen knirschte und knackte es im Gotteshaus, und die Gottesdienstbesucher traten erneut die Flucht an. Als schließlich am ersten Weihnachtsfeiertag nach dem morgendlichen Hochamt einige Bröckchen des Gewölbeverputzes zu Boden fielen, war auch die Geduld des damaligen Löninger Bürgermeisters Nicolaus Anton Bothe erschöpft: „Ich ersuche ... diesen Vorfall gehörigen Ortes zu berichten, und zu versorgen, dass der verlangte Neue Kirchen Bau, wodurch die Menschen nur einzig von ihrem Schrecken befreiet werden können, gnädigst verstattet werde", wandte er sich an Amtsrentmeister und Amtsdrosten. Die reichten nicht einfach nur das Schreiben weiter, sondern bedeuteten ihrerseits der Kommission in Oldenburg, dass nun unverzüglich „in Löningen eine neue Kirche zu bauen sey" Unter dem Eindruck, dass Gefahr im Verzuge, reagierte die herzogliche Kommission unverzüglich und beauftragte schon kurz nach dem Jahreswechsel den oldenburgischen Baukondukteur Wöbken, Alternativentwürfe für die „Erweiterung der alten als Erbauung der neuen Kirche" auszuarbeiten. Der von dem Oldenburger Baumeister schließlich 1805 eingereichte Plan sah lediglich eine Erweiterung der alten Kirche vor, da Wöbken bei einer Untersuchung an Ort und Stelle zu dem Schluss gekommen war, dass die Seitenmauern des Langhauses „so gut als neu sind". Der Baukondukteur schlug eine kreuzförmige Erweiterung um ein Querhaus vor und gedachte, die alte Sakristei durch einen Anbau an der Chorostseite zu ersetzen. Außerdem empfahl Wöbken, den wenig standfesten Kirchenturm abzubrechen. Insofern ganz im seinerzeit erklärten Sinne des Generalvikariats lehnten Pastor Wolffs wie auch der Kirchenvorstand diesen Umbauplan ab, nicht zuletzt wegen der kaum geringeren Kosten als bei einem Neubau. Obwohl bis dato weder ein genehmer Architekt gefunden war noch eine klare Entscheidung pro Umoder Neubau vorlag, geschweige denn ein ausführungsreifer Entwurf existierte, wurden nach einer vom Kirchspielobervogt Düvell veranlassten Gemeindezählung 1806 alle Vorbereitungen für den alsbaldigen Neubau von St. Vitus getroffen. Während nicht weniger als fünf Architekten aus Oldenburg, Osnabrück und Münster, darunter auch so namhafte wie Otto Lasius und der bedeutendste westfälische Klassizist, der gebürtige Rheiner August Reinking, als Bausachverständige über die Baufälligkeit der alten Kirche zu befinden hatten, war man in Löningen schon fleißig dabei, das erforderliche Baumaterial zu beschaffen und die Hand- und Spanndienste festzulegen. Reibungsverluste ob fehlender Abstimmung zwischen Oldenburger Kommission, den herzoglichen Beamten des zuständigen Amts Cloppenburg und der bauwilligen Kirchengemeinde St. Vitus sollten auch in den Folgejahren dem Fortgang des Löninger Kirchenbaues nicht eben förderlich sein. Eine Einschaltung der nicht minder zuständigen Bistumsbehörden, in diesem Falle des Freiherrn von Fürstenberg als Bistumsverweser und des Generalvikariats in Münster, unterblieb sogar vollständig
Für ein gewisses Maß an Koordination war erst gesorgt, nachdem die herzogliche Kommission dem Cloppenburger Amtsdrosten Maximilian von Korff-Schmising die Bauaufsicht für das Löninger Kirchenprojekt übertragen hatte. Der Amtsdroste war es auch, der im Frühjahr 1807 den später tatsächlich mit der Planung und Ausführung beauftragten Münsteraner Baumeister Johann Nepomuk Schmidt ins Spiel brachte. Schmidt gehörte derselben Generation an wie August Reinking, war wie dieser ein Schüler Wilhelm Ferdinand Lippers, des letzten Oberbaudirektors des Fürstbistums Münster, und war nach Studien- und Ausbildungsaufenthalten in Wien und Nürnbergs ab 1803 nachweislich wieder in Münster. Der Sohn eines Zimmermeisters habe schon mehrere Kirchen im Münsterischen erfolgreich gebaut und sei äußerst billig, wusste der Duderstadt-Gutsbesitzer seinen Schützling sowohl in Oldenburg als auch in Löningen schmackhaft zu machen. Von Korff-Schmising konnte ziemlich sicher sein, dass ein katholischer Baumeister, noch dazu aus der Bistumsresidenzstadt, im Kirchspiel mehr Anklang finden würde als die Protestantenimporte aus Oldenburg. Ein weiterer geschickter Schachzug war angesichts der nicht gerade üppigen Finanzlage der Kirchengemeinde der Hinweis auf die Wohlfeilheit des jungen, aber talentierten Nachwuchs-Architekten. Die herzogliche Regierungskommission hatte keine Einwände, und auch die Löninger waren mehr oder minder einverstanden mit der Architektenwahl. Im Januar 1809 begann der Abbruch der alten Kirche, während nach einem weiteren Streit zwischen Pastor und Behörde das Löninger Rathaus statt der von Wolffs favorisierten Knabenschule als Notkirche eingerichtet wurde. Am 3. April 1809 konnte der Amtsdroste als Bauleiter nach Oldenburg berichten, dass nach erfolgtem Abriss des Vorgängerbaues nun mit dem Ausheben der Fundamentgräben begonnen würde. Im Namen des Oldenburger Erbprinzen Paul Friedrich August legte der Freiherr von Korff-Schmising am 25. April 1809 den Grundstein. Dieser feierliche Akt entsprach der Situation, indem er katholischem Recht widersprach: Die an sich einem Bischof, nur in Ausnahmefällen einem Priester vorbehaltene liturgische Handlung wurde in Löningen profanisiert; schließlich baute hier der Staat, wenn auch mit Kirchenmitteln.
Zunächst schritt der Bau nach den Schmidt-Entwürfen zügig voran. Nur mit wenigen Unterbrechungen war der Münsteraner Baumeister 1809 und 1810 fast das gesamte Jahr über persönlich vor Ort, um die Arbeiten zu beaufsichtigen. Ende 1810 war der Langhausrohbau der neuen Saalkirche nahezu vollendet. Manches spricht dafür, dass die Chorostwand, gleichzeitig die Turmwestseite, kein völliger Neubau, sondern im Kern der Chorabschluss der alten Kirche war. Ein von Alfred Benken entdeckter Lageplan der Ländereien des Löninger Meierhofes belegt, dass der Neubau ursprünglich einen eingezogenen Chor, niedriger als das Langhaus und mit eigenem Satteldach, hatte. Dieser Chor dürfte in Breite und Länge dem Chorhaus des 17. Jahrhunderts entsprochen haben. Dieser Lageplan von 1825, der die Kirche St. Vitus in vogelperspektivischer Dachaufsicht zeigt, ist heute die einzige bildliche Darstellung überhaupt, die den Schmidtbau vor den unfreiwilligen baulichen Veränderungen nach 1827 wiedergibt. Auch 1811 gingen die Bauarbeiten noch planmäßig weiter, obwohl sich Löningen, gerade einmal so halbwegs an seine Zugehörigkeit zum Herzogtum Oldenburg gewöhnt, unversehens als Teil des napoleonischen Kaiserreichs Frankreich wiederfand. Ein Dekret Bonapartes vom 13. Dezember 1810 hatte genügt, die politische Landkarte nicht nur im alten Hasegau erneut zu verändern. Bis August blieb nicht nur für Löningen, bis auf die neue Staatszugehörigkeit, eigentlich alles wie gehabt, doch dann überschlugen sich die Ereignisse: Kirchenbaudirektor von Korff-Schmising, zunächst von den neuen Machthabern als Unterpräfekt übernommen, verlor seine Stellung, weil das Amt Cloppenburg zusammen mit dem Amt Vechta dem Departement Ober-Ems zugeordnet und der Unterpräfektur Quakenbrück unterstellt wurde. Löningens Bürgermeister-Doppelspitze wurde abgesetzt. An ihre Stelle trat ein Maire von französischen Gnaden, der bisherige korffsche Gutssekretär Bitter. Die Oldenburger Kommission stellte ihre Arbeit ein. Der Amtsdroste verließ im Oktober seinen Gutssitz Duderstadt gen Münster. Ende desselben Monats kehrte auch der Baumeister Schmidt Löningen den Rücken und reiste nach Münster zurück. Anhand seiner Diätenrechnung ist Schmidt letztmalig am 23. Oktober 1811 persönlich auf der Baustelle gewesen. Zu diesem Zeitpunkt war aber der Neubau noch längst nicht unter Dach und Fach: Langhaus und Dachstuhl sowie Teile der Saaldecke waren zwar fertiggestellt, doch die Dachdecker hatten wohl kaum mehr als die Hälfte ihrer Arbeit erledigt, und der Turm hatte kaum die Höhe des ersten Obergeschosses erreicht. Während im benachbarten Lohne das Neubauprojekt für die Pfarrkirche St. Gertrud in der Franzosenzeit nicht weiter verfolgt wurdet blieb den Löningern gar nichts anderes übrig als weiterzubauen, wollte man nicht das ganze Werk gefährden. Ohne die bisherige Bauleitung erwies sich das als problematisch, obwohl sich vor allem Bürgermeister Bitter durchaus um den Fortgang der Bauarbeiten kümmerte. Ohne Baumeister und ständige Aufsicht wurde manch' Arbeit schlampig ausgeführt, fand auch minderwertiges Material Verwendung. Den Pfusch am Bau monierte später auch der renommierte Architekt August Reinking, dem ab 1814 die zweifelhafte Ehre zuteil wurde, für Schadensbegrenzung zu sorgen und die 1813 provisorisch in Nutzung genommene Kirche fertigzustellen: „Zu Loningen bey dem Kirchenbau hat man gute und auch schlechte Glasurte dachziegel fabriciret".

Wäre es nach August Reinking gegangen, dann wäre Johann Nepomuk Schmidt ein armer Mann geworden: „... wäre es besser, die Kirche niederzureißen und auf Schmidts Kosten eine neue aufführen zu lassen", lautete das wenig schmeichelhafte Urteil des ungleich bedeutenderen Zeitgenossen. Ganz uneigennützig war Reinkings Haltung indes nicht. Der Architekt und Offizier, in den Befreiungskriegen zum Major und Bataillonschef der meppenschen Landwehr avanciert, war in jener Zeit im benachbarten Lohne für den Neubau von St. Gertrud verantwortlich, hatte dort aber seine persönlichen Vorstellungen von einem für die Region epochalen Zentralbau revidieren müssen und gedachte nun, in Loningen sein sakrales Oeuvre um einen weiteren Kirchenbau zu vermehren. Die allgemeine Skepsis ob der recht gewagten Dach- und Deckenkonstruktion Schmidts ausnutzend, brachte Reinking eine dreijochige und dreischiffige Pfeilerbasilika mit Kreuzgratgewölben, sozusagen den Inbegriff eines soliden und der liturgischen Tradition verpflichteten Sakralbaus, ins Spiel. Da Versuche, Schmidt die Schuld an Baumängeln zuzuschieben, scheiterten, und die Finanzen der Kirchengemeinde praktisch erschöpft waren, konnte sich der Amtsrentmeisterssohn aus Rheine mit seinem Vorschlag nicht durchsetzen. Was allerdings den Ostturm der schmidtschen Kirche anbelangt, sollte Reinking recht behalten. So wird er sich wohl auch nur widerwillig bereitgefunden haben, ein Sicherungskonzept für den bereits schadhaften und zu diesem Zeitpunkt gerade einmal bis zum First des Kirchendachs aufragenden Turm zu erarbeiten. Nach Reinkings Entwurf begannen 1818 die Instandsetzungs- und Abschlussarbeiten. Verstärkungen des Sockelgeschosses und eine geringere Höhe als von Schmidt vorgesehen, sollten den Turm retten. Als Reinking im September 1819 starb, gerieten die Bauarbeiten erneut ins Stocken. Erst 1824 übernahm der Oldenburger Baukondukteur Carl Heinrich Sievogt, der schon in Lohne mit dem westfälischen Klassizisten in Kontakt gekommen war, die Vollendung des Turms nach den reinkingschen Plänen, nicht ohne dieselben Mängel an den Fundamenten festgestellt und dieselben Bedenken wie August Reinking geäußert zu haben. Der viergeschossige Turm mit reinkingscher Attika erreichte knapp 50 Meter Höhe. Schmidt hatte seinerzeit noch rund 79 Meter allein für das aufgehende Mauerwerk in Anschlag gebracht. Am 20. Juli 1826 waren mit der Aufrichtung des Turmkreuzes samt Wetterhahn die Arbeiten abgeschlossen. Lange währte freilich die Freude nicht: Morgens kurz nach 7 Uhr, am II. Dezember 1827, stürzte das neue Löninger Wahrzeichen unter lautem Getöse ein. Eine Tote, ein völlig zerstörtes Wohnhaus, eine stark beschädigte Knabenschule und schwere Schäden am Ostchor der Kirche mitsamt dem Inventar waren die Bilanz dieses vorhersehbaren Turmeinsturzes.
Hergang und Folgen dieses Unglücks lassen darauf schließen, dass zuerst die Westwand des Turms, zugleich Chorostabschluss, dem Druck nachgab und zwar gen Kirchenchor. Dadurch neigte sich die östliche Turmmauer in die entgegengesetzte Richtung und begrub das gegenüberliegende Wohnhaus unter sich. Dieses Geschehen bestärkt in der Vermutung, dass aus Kostengründen tatsächlich das Mauerwerk des Chores aus dem 17. Jahrhundert in den Neubau einbezogen worden war. Warnende Stimmen hatte es schon früh gegeben. So monierte der Oldenburger Baumeister Wöbken, der den Erbprinzen bei einem Besuch der Löninger Baustelle begleitet hatte, schon 1809 die unsachgemäße Fundamentierung. Bereits 1811, als der verantwortliche Architekt Schmidt noch vor Ort war, zeigten sich die ersten Risse am noch niedrigen Turmstumpf. Und dem Einsturz gingen deutliche Warnzeichen voraus: Der Lastruper Dechant Beckering berichtete, dass sich seit dem 6. Dezember 1827 Tag für Tag größer werdende Risse im Turmmauerwerk gezeigt hätten. Der Chor der Schmidt-Kirche wurde nicht wiederaufgebaut. Bis 1832 ersetzte man ihn durch die jetzige Lösung, bei der der Innenraum nicht dem Baukörper entspricht: Das Langhaus wurde in voller Breite um das Chorjoch verlängert, was jedoch im Innenraum Querwände und der sich peristylartig öffnende Chor, deutlich schmaler als der Saal, verschleiern. Dieser barocke Ideen aufgreifenden Raumauffassung kam die seinerzeitige Planänderung durch Johann Nepomuk Schmidt entgegen. Auf das zunächst vorgesehene und wohl auch gewünschte hölzerne Gewölbe, wahrscheinlich eine Längstonne, gestützt auf hölzerne Wandvorlagen, hatte der Baumeister zugunsten eines französischen Plafonds mit ausgeprägter Deckenkehle verzichtet. Insofern wurde die von den Löningern gewünschte Anlehnung an die St.-Andreas-Kirche im späteren Cloppenburger Ortsteil Krapendorf, ein durchaus bemerkenswerter barocker Saalbau, konsequent weiterentwickelt. Auch die Abänderung des zunächst geplanten Mansarddaches des Langhauses in ein Walmdach begünstigte die vom Turmeinsturz ausgelöste bauliche Erweiterung: Zur Eindeckung wurde das schmidtsche Kirchendach einfach nach Osten verlängert und mit einem neuen Walm versehen. Das erklärt auch, warum diesem Teil des Dachstuhls wesentliche Elemente der wohldurchdachten Schmidt-Konstruktion fehlen.
Der zusammengebrochene Ostturm, der einst so hoch werden sollte wie der Westturm der Krapendorfer Andreas-Kirche, wurde nie wieder aufgebaut. Ihn mussten fast 150 Jahre lang hölzerne Glockentürme südwestlich des Gotteshauses ersetzen. Auch der 1960 vollendete massive Turm folgt dieser Tradition des Campanile.
Ohne den eingezogenen Ostchor und den ihm vorgesetzten Ost türm in der ursprünglich geplanten Höhe fehlt Löningens St. Vitus ein Großteil der von Schmidt beabsichtigten Wirkung des Gesamtbaukörpers, bestimmt durch den durchaus im klassizistischen Sinne gewollten harmonischen Ausgleich zwischen horizontalen und vertikal orientierten Baumassen. Durch den spätklassizistischen neuen Choranbau und vor allem durch das verlängerte Kirchendach verlor der schmidtsche Saalbau zudem seine proportionale Gesetzmäßigkeit. Die Absichten des entwerfenden Architekten sind allerdings noch recht gut an den Seitenfronten ablesbar, da der Choranbau als spätere Zutat erkennbar bleibt: Ihm fehlt das horizontale, die Fensterbogen verknüpfende Gesimsband und, leicht zurückspringend, lässt er die ursprüngliche Eckvorlage frei. Der Schmidt-Bau folgt einer streng symmetrischen Fassadeneinteilung: Dreiachsige Westfront sowie die siebenachsigen Seitenfronten sind durch Mittelrisalite und Eckvorlagen gegliedert, das typische französische Fassadenschema, wie es sich unter den westfälischen Architekten gerade des Münsteraner Kreises bis ins 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreute. Auch die Verwendung einer abgewandelten Serliana, auch als Palla-dio-Motiv bekannt, in den drei Risaliten weist Schmidt keineswegs als Revolutionsarchitekten und schon gar nicht als Epigonen David Gillys aus, wenngleich Gillys 1797 in Berlin veröffentlichtes Handbuch der Landbaukunst zweifellos auch in Münster Beachtung gefunden hatte. Die sparsam eingesetzten dekorativen Details wie auch die seit Schlauns Zeiten in Westfalen gepflegte Tradition der dezent geschichteten Wand weisen Schmidt vielmehr als einen jener für den Klassizismus typischen Architekten aus der Münsteraner Schule aus, die unabhängig von Berlin, aber teils mit denselben Einflüssen, insbesondere aus Frankreich und durch den englischen Palladianismus, zu durchaus eigenständigen Lösungen kamen. Dass Johann Nepomuk Schmidt lediglich ein Baumeister aus dem dritten, allenfalls aus dem zweiten Glied der Münsteraner Garde war, spricht für die Qualität der damaligen westfälischen Baukunst und tut dem Wert des Löninger Kirchenbaues keinen Abbruch. Dessen kunsthistorische Bedeutung beruht nicht zuletzt auf der Tatsache, dass vorpreußische Kirchenbauten des westfälischen Klassizismus in Nordwestdeutschland Seltenheitswert besitzen.
Überdies ist gerade Löningen besonders bemerkenswert, da sich hier in einem katholischen Sakralbau Bautraditionen der protestantischen Predigerkirchen manifestieren. Freilich, die eigentliche und für viele Zeitgenossen durchaus revolutionäre Leistung Johann Nepomuk Schmidts ist die mutige Dachstuhl- und Deckenkonstruktion. Dieses, dank eines ausgeklügelten Systems, selbsttragende Dachhängewerk überspannt eine lichte Raumweite von nicht weniger als 21,50 Metern, die Mauerstärke mitgerechnet sogar über 25 Meter.
Es spricht für das Können des Zimmermannssohnes, dass diese Konstruktion, allen Unkenrufen zum Trotz, bis heute ihre Bewährungsprobe bestanden hat.

Aus: "Löningen in Vergangenheit und Gegenwart", 1998, ISBN 3-9804494-8-3

Die Strahlenmonstranz

Der querovale, leicht gebuckelte Fuß ist mit Akanthusblattwerk, Blüten und vier von Perlrahmen eingefassten Namensmedaillons ("Vitus", "Ios(e)p(h)", "M(a)r(i)a", "Ih(esu)s") geschmückt. Darüber erhebt sich der durch einen kugeligen, mit Blattwerk und Zungenfriesen verzierten Nodus und zwei Ringe gegliederte Schaft. Das herzförmige Schaugefäß, dessen Umrandung aus einem Zungen- und einem Blattwerkfries besteht, wird von einem silbernen Kranz aus Akanthusblattwerk eingerahmt, den eine goldene, in Strahlen auslaufende Scheibe hinterfängt. Die Monstranz endet in einem kleinen Kruzifix.
In dem Schaugefäß ist die von einem geflügelten Engelskopf gehaltene, edelsteinbesetzte Lunula zu sehen. Den Kranz aus feingliedrigem Akanthusblattwerk schmücken symmetrisch angeordnete Blüten und figürliche Darstellungen. Links und rechts neben dem Schaugefäß sind der Hl. Panthaleon und die Hl. Katharina dargestellt, unten eine sitzende Madonna mit Kind, oben die Taube des Heiligen Geistes. Oberhalb der Heilig-Geist-Taube befindet sich ein Reliefmedaillon mit einer Darstellung Gottvaters mit Weltkugel auf einer von drei Putten bevölkerten Wolke. Zusammen mit der im Schaugefäß ausgestellten konsekrierten Hostie ergibt sich daraus eine Darstellung der Dreifaltigkeit. Den oberen Abschluss der Monstranz bildet ein Strahlenkruzifix mit Dreipassenden. Die Strahlenmonstranz ist ein Werk des Osnabrücker Goldschmieds Heinrich Theodor Hartmann (um 1650 - 1729), der in den Jahrzehnten um 1700 für zahlreiche Kirchen in Osnabrück tätig war und wiederholt auch von Kirchen im Oldenburger Münsterland Aufträge erhielt. Die erhaltenen Werke Hartmanns, beispielhaft genannt seien die prachtvolle Strahlenmonstranz der Gymnasialkirche in Osnabrück und das Ziborium der Kirche St. Viktor in Damme (beide um 1700/10), zeigen neben den typischen barocken Ornamente häufig auch figürliche Darstellungen, deren Formensprache den Einfluss der gleichzeitigen Augsburger Goldschmiedekunst erkennen lässt. Die unterhalb des Schaugefäßes angebrachte Figur der sitzenden Madonna mit Kind ist hierfür besonders charakteristisch. Die namentliche Nennung des Kirchenpatrons auf dem Fuß der Monstranz belegt, dass sie eigens für den Vorgängerbau der heutigen klassizistischen Kirchen in Löningen angefertigt wurde.

Versehkreuz

Das aus Silber gefertigte Kreuz [ca. 15cm x 20cm groß] kann auf der Vorderseite geöffnet werden. Im Kreuzpunkt von Quer- und Längsbalken befindet sich im Inneren eine kleine Pyxis, die die Kommunion für Kranke und Sterbende aufnehmen kann. Das Kreuz hielt der Priester in Händen, wenn er zum Versehgang gerufen wurde.

Messkelch um 1600

Der schlichte silbervergoldete Messkelch, der um 1600 angefertigt wurde besitzt einen Sechspassfuß, der mit heute noch zu erkennenden Zierarbeiten versehen ist. Den Sechspass ziert zudem ein kleiner goldener Korpus. Der aus angedeuteten Blättern gebildete Nodus ist mit kreuzförmigen Durchbrüchen verziert. Über dem Nodus erhebt sich die schlichte Cuppa.

Kelch von Pfarrer Gerhard Tepe

Von R. Bruun wurde ein Kelch gearbeitet, den die Kirchengemeinde Löningen ihrem Pfarrer Gerhard Tepe (1910-1922) zum silbernen Priesterjubiläum im Jahre 1914 schenkte. Das Material ist vergoldetes Silber, verziert mit Email und Halbedelsteinen. Seine Höhe beträgt 18 cm, der Druchmesser der Cuppa 11 cm. Der runde Fuß ist mit sechs Medaillons verziert, die in Blau auf grauem Grund die Büsten von Jesus, Daniel, Ezechiel, Maria, Jeremias und Jesaias enthalten. Ovale, rote Steine in Kastenfassungen stellen die Verbindung  zwischen den einzelnen Rundbildern her. Die Zwischenräume sind mit gravierten Blattranken gefüllt, und Blattranken schmücken auch den emaillierten Schaft. Der fünffach ausgebogene Nodus ist durchbrochen und mit kleinen Steinen besetzt. Plastisches Blattwerk mit Weinreben und Blüten, deren Mittelpunkt rote und grüne Steine bilden, umgibt den unteren Teil der halbrunden Cuppa. Auf der Unterseite des Fußes befindet sich die Inschrift: G. Tepe Parochia 15.6.1914 Jubilaeum Sacerdotii Arg. Celebranti Parochia Loeningen, sowie die Bezeichnung R. Bruun, Münster Halbmond und Krone und die Feingehaltsangabe 800.

Ziborium, gestiftet von der Familie Cordes

Ein Jahr später wurde von der Familie Cordes zu diesem Kelch ein Ziborium gestiftet. Es ist ebenfalls aus Silber gearbeitet und vergoldet. Die Höhe beträgt 47 cm und der Druchmesser der Cuppa 17 cm. Der runde, am Rand  profilierte Fuß ist mit acht gravierten Medaillons geschmückt. Sie enthalten die Szenen: Mannalese, die eherne Schlange, die Kreuzigung Christi, Kommunion und letztes Abendmahl. Die einzelnen Rundbilder sind gerahmt und durch Blattwerk miteinander verbunden. Der Ansatz des runden Schaftes ist mit plastischem Blattwerk umlegt und der gedrückte Nodus durchbrochen. Der Dekor, mit dem die halbrunde Cuppa umlegt ist, endet in kleinen Blüten mit einem roten Stein als Mittelpunkt. Unterhalb des Cupparandes befindet sich die Umschrift: ECCE AGNUS DEI QUI TOLLIS PECCATA MUNDI MISERERE NOBIS. Der gewölbte Deckel ist mit gravierten Rahnken verziert und mündet in eine Spitze, die von einem Kreuz bekrönt wird, das einem doppelten Blattkranz erwächst. Unter dem Fuß ist die Inschrift zu lesen: in Memoriam Maria Cordes (+ 13.12.1914) dedit fam. Cordes Loeningen 1915, sowie die Bezeichnung R. Bruun Münster i./W., mit Krone, Halbmond und dem Zeichen 800.

Zelebrationskelch um 1915-1920

Ebenfalls in der Werkstatt R. Bruun wurde ein zweiter, silber-vergoldeter Kelch angefertigt, dessen Höhe 19 cm und dessen Cuppadurchmesser 10,5 cm beträgt. Der runde Fuß ist mit gravierten Ranken sowie vier Medaillons verziert, in denen die gegossenen Brustbilder von Christus, Maria, Josef und Johannes aufgenietet sind. Der Ansatz des runden Schaftes ist druchbrochen und mit kleinen Türkisen besetzt. Ober- und unterhalb des Nodus verläuft ein Emailband mit Blattschmuck. Der Nodus selbst ist ebenfalls durchbrochen und mit roten Steinen verziert und die halbrunde Cuppa mit Rankenwerk umlegt. Der Fuß ist auf der Unterseite bezeichnet: R. Bruun, Münster in Westfalen, dazu kommen Halbmond und Krone sowie die Angabe 800. Zugehörig ist ein kleiner Löffel mit gekordeltem Stiel, der in einem Blattornament endet und eine Länge von 7 cm hat. 

Primizkelch von Pfarrer Clemens Arlinghaus

Der Primnizkelch des Pfarrers Clemens Arlinghaus ist in historisierenden Formen gearbeitet, hergestellt wurde er von dem Goldschmied Theodor Dunstheimer in Münster. Die Höhe beträgt 20 cm, und der Cuppadurchmesser 11 cm. Der runde Fuß ist mit Weinlaub und Ähren im Wechsel geschmückt und trägt am Rand die Umschrift: CALICEM SALUTATIS ACCIPIAM ET NOMEN DOMINI INVOCABO  sowie ein Cruzifix in einer Mandorla mit Strahlenkranz. Am Ansatz des Schaftes ist ein kleiner Wulst angelegt, der ebenso wie der Nordus durchbrochen und aus Weinlaub gebildet ist. Die konische Cuppa ist im unteren Teil mit plastischen Maßwerkornamenten umlegt, die nach oben in kleinen Blättern enden. Auf der Unterseite des Fußes befindet sich die Inschrift: CLEMENS ARLINGHAUS 14. Juni 1924 HANC IGITUR OBLATIONEM SERVITUTIS NOSTRAE; ES SED CUNCTAE FAMILIAE TUAE QUAESUMUS, DOMINE, UT PLACCITUS ACCIPIAS, sowie der Name Th. Dunstheimer, Münster i.W. Der Zugehörige Löffel endet in einem Dreiblatt und hat eine Länge von 7,5 cm.

Kelch von Pfarrer Augustin Lübbers

Etwa gleichzeitig dürfte ein silber-vergoldeter Kelch entstanden sein, den die Kirchengemeinde Ramsloh ihrem scheidenden Pfarrer Lübbers zum Abschied schenkte. Seine Höhe beträgt 20 cm, der Durchmesser der Cuppa 11 cm. Der runde, am Rande profilierte Fuß ist mit einer gravierten Weinranke verziert, und plastisches Rankenwerk umgibt den Ansatz des Schaftes. Der Nodus wird aus gotischen Maßwerkornamenten gebildet, und in den Rotuli befinden sich kleine Türkise. Die halbrunde Cuppa ist im unteren Teil mit plastischem Blattwerk umlegt, und auf der Unterseite des Fußes steht die Inschrift: Augustin Lübbers, Pfarrer in Ramsloh 1944-1975 gewidmet in Dankbarkeit. Kath. Kirchengemeinde Skt. Jakobus.

Custodia

In der Gruppe der Geräte mit historisierenden Formen gehört ebenfalls die Custodia für die Lunula. Das Material der Custodia ist vergoldetes Messing, und die Höhe beträgt 27 cm. Der runde Fuß ist gewölbt und leitet in den kurzen Schaft über. Der ovale Behälter trägt auf der Vorderseite das Christusmonogramm mit Kreuz und drei Nägeln. Der äußere Rand ist profiliert. Auf der Rückseite befindet sich der Verschluss und im Innern ein Schlitten zum Befestigen der Lunula. Die Kapsel wird von Blattranken in romanischen Formen und einem Kreuz mit Lilienenden bekrönt.

Ziborium aus dem Jahr 1947

Das von Pfarrer Clemens Arlinghaus 1947 erworbene Ziborium zeigt einen mordernen Dekor unter Beibehaltung der kanonischen Grundform. Das Material ist vergoldetes Silber, die Höhe beträgt 39 cm und der Cuppadurchmesser 18,5 cm. Der runde Fuß ist mit einem gravierten Blattkranz geschmückt, unter dem kleine mit Kreuzen verzierte Spitzen hervorschauen. Der runde, konisch verlaufende Schaft trägt ein Zackenmuster und auf der halbrunden Cuppa sind umlaufend die Worte zu lesen: ECCE PANIS ANGELORUM FACTUS CIBUS VIATORUM. Der runde Deckel ist mit einem doppelten Strahlenkranz bedeckt, und als Griff dient eine durchbrochene Scheibe, die das Christusmonogramm sowie die Buchstaben Alpha und Omega umschließt. Unter dem Fuß befindet sich die Inschrift: Pfarrer Arlinghaus 1947 sowie der Name des Goldschmiedes Joh. van Ooyen, Kevelaer.

Pfarrer an St. Vitus zu Löningen

Bistum Osnabrück (bis 1668)
um 1247           Hermann, Scholaster
um 1397           Holt de Heke
1400-1460        Johan van der Hoye
1496-1502        Hinrich Schouwe
um 1515           Johan Leneken
1540-1550        Johan Nacke (luth.)
1573-1613        Ptolemeus Langhorst (luth.)
1613-1630        Hugo van Backumb
1630-1634        Engelbert Schröder
1635-1644        Petrus Haesselius
1644-1653        Joannes Strateman
1654-1658        Petrus de Bergis
1659-1682        Jodocus Clespe  

Bistum Münster (ab 1668)
1683-1694        Bernhard Walckenforth
1695-1696        Heribert Laneman
1696-1717        Herman Gottfried Hogertz
1717-1758        Anton Henrich Huge
1759-1789        Christopf Gustav Vagedes
1789-1824        Mathias Wolffs
1825-1863        Anton Rießelmann
1864-1892        Johannes Schrandt
1892-1910        Bernard Becker
1910-1922        Gerhard Tepe
1922-1941        Anton Zumbrägel
1941-1972        Clemens Arlinghaus
1972-2007        Josef Saalfeld
seit 2007          Bertholt Kerkhoff

Im Überblick

Die gesamte Übersicht über die Familiengottesdienste von Januar bis Juli 2017 finden Sie hier:

Adresse

St. Vitus
Kirchplatz 1
49624 Löningen

Lageplan hier »»»

Der Grundriss

St.-Vitus-Ornat

 

Die Kirchengemeinde verfügt über wenige alte Messgewänder. Von besonderem Wert ist das St. Vitus-Ornat, es besteht aus einer gotischen Kasel, zwei Dalmatiken, die für Subdiakon und Diakon verwandt wurden, und einem Chormantel. Die gotische Kasel ziert auf der Rückseite eine aufwendig gesticktes Gabelkreuz. Die Dalmatiken sind mit Heiligen und Evangelisten geziert. Auf der Cappa des Chormantels wird der hl. Vitus dargestellt.

Kreuzreliquie

In den Zelebrationsaltar, der 1992 von Ernst Rasche aus Mülheim/Ruhr geschaffen wurde, ist zur Kirchenschiffseite hin in einem Reliquiar eine Kreuzreliquie eingelassen, die der Patriarch von Venedig im Jahre 1873 dem Rompilger Wilhelm Purk aus Angelbeck mit der Verpflichtung zur Weitergabe an die Kirche St. Vitus in Löningen schenkte. Der Reliquienbehälter ist aus Goldblech getrieben. Die ovale Kapsel ist von zartem Rankenwerk umgeben und wird seitlich von zwei gotischen Türmchen flankiert. Die vordere Scheibe wird von geschliffenen Bergkristallen eingefaßt, und ein Kreuz aus roten und grünen Steinen bildet die obere Bekrönung.

Reliquie des hl. Vitus

Auf der Seite zum Hochaltar hin ist ebenfalls in einem Reliquiar eine Reliquie des hl. Vitus sichtbar, deren Echtheit 1938 der damalige münsterische Bischof Clemens August Graf von Galen bestätigte. Das Reliquiar besteht aus schwarz gebeiztem Holz in Kreuzform. Der Schnittpunkt der Balken ist quadratisch angelegt und die dort eingelassene Reliquie wird von einer runden, vergoldeten Fassung umschlossen, auf der die Worte stehen: SANCTE VITE ORA PRO NOBIS. Die vier Kreuzbalken werden von Türkisen in Rundfassungen geschmückt, die durch kurze Stege mit der Reliquienkapsel verbunden sind. 

Alter Taufstein

In der Mitte des Kirchenschiffes steht der älteste sakrale Einrichtungsgegenstand der Löninger Kirche. Der alte Taufstein hat eine Höhe von 90 cm [mit dem unlängst unterlegten Sockel] und einen Durchmesser von 50 cm. Die Pokal- bzw. Becherform wird dem so genannten Bentheimer Typ zugeschrieben. Seine Entstehungszeit dürfte in der Wende vom 12. bis zum 13. Jh. Liegen. Der obere und untere Rand der Cuppa ist mit einer dicken Steinkordel umlegt.

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