Die heilige Anna

Joachim und Anna waren die Eltern Mariens. Das Jakobus-Evangelium berichtet, Joachim sei ein älterer Priester gewesen, der mit seiner Frau Anna in Jerusalem gelebt habe. Eines Tages habe ein Oberpriester ein Opfer des Joachim zurückgewiesen, da dieser trotz 20 Jahren Ehe kinderlos geblieben war. Kurz darauf sei dem Joachim während der Arbeit auf dem Feld ein Engel erschienen, der die Geburt eines Kindes angekündigt habe. Bald darauf sei die Gottesmutter Maria zur Welt gekommen. Anna und Joachim wurden mit reicher Ausgestaltung in den Legenden schon in frühchristlicher Zeit dargestellt, seit dem 6. Jahrhundert wird Anna als Marias Mutter verehrt. Der Anna-Kult erreichte in Europa im späten Mittelalter seinen Höhepunkt, als 1481 Papst Sixtus IV. den Gedenktag der Anna in den römischen Kalender aufnahm; 1584 bestimmte Papst Gregor XIII. ihren Festtag. Seit 1500 liegen angeblich Reliquien von Anna in Düren, weitere liegen in Wien und anderen Städten.
Die Darstellungen der heiligen Anna sind vielgestaltig. Nur selten finden wir sie als Einzelperson im Matronengewand mit Buch, häufig mit ihrer Tochter Maria auf ihrem Schoß oder ihr zur Seite stehend. Meistens allerdings wird Anna mit Maria und dem Jesuskind dargestellt, denn gerade in ihrer Rolle als Großmutter des Erlösers ist sie für den Gläubigen vor allen Heiligen ausgezeichnet.

Patronatslied

1. Sankt Anna wir dich grüßen,
o Sankt Anna, hilf.
Lass Gnaden niederfließen,
o Sankt Anna, hilf.
Über unser Heimatland,
halte segnend deine Hand.

2. In deiner stillen Klause,
o Sankt Anna, hilf.
Bist du bei uns zu Hause,
o Sankt Anna, hilf.
O Sankt Anna, sei bereit,
bring’ uns Hilf’ zur rechten Zeit.

3. Schenk’ mütterlich Verstehen,
o Sankt Anna, hilf.
Lass nie vergebens flehen,
o Sankt Anna, hilf.
Mit Marien im Verein,
wollst du unsere Rettung sein.

4. Vor Elend und Gefahren,
o Sankt Anna, hilf.
Wollst unser Land bewahren,
o Sankt Anna, hilf.
Deiner Muttersorge treu
unser Heim empfohlen sei.

5. In deine Mutterhände,
o Sankt Anna, hilf.
Leg Anfang ich und Ende,
o Sankt Anna, hilf.
Hilf uns all’ in letzter Not,
führe uns zum sel’gen Tod.

(Melodie: Gl-Nr. 959)

Die Innenausstattung der Kapelle

Betritt man den die Kapelle der St. Anna-Klinik durch den Haupteingang so fällt zunächst das Bild der immerwährenden Hilfe in den Blick. Dabei handelt es sich um eine weltbekannte Mariendarstellung, auf der die Gottesmutter mit dem Jesuskind – beide bekrönt – zu sehen ist. Das Kind wird von der linken Hand der Mutter gehalten und greift mit beiden Händen nach der Hand seiner Mutter. Sein Kopf ist jedoch abgewandt, und der Blick geht zu dem Kreuz hinüber, das der Erzengel Gabriel trägt. Wie durch eine Bewegung vorahnenden Erschreckens hat sich von dem einen Fuß die Sandale gelöst und fällt zu Boden. Neben dem Kopf Mariens schweben Engel - Michael und Gabriel - mit den Leidenswerkzeugen Christi. Unter dem Bild – in einer Nische – besteht die Möglichkeit eine Kerze anzuzünden und aufzustellen. Sie sind ein Zeugnis für den Dank und die Bitten, die die Beter der Immerwährenden Hilfe anvertraut haben.

Geht man dann durch den Mittelgang der Kapelle auf den Altar zu, kann man an den Seitenwänden vierzehn Bronzereliefs erkennen, die den Leidensweg Jesu von der Verurteilung durch Pilatus bis zum Kreuzestod und seine Abnahme vom Kreuz bildlich darstellen.

An der linken Langhauswand über dem Kreuzweg und der darunter versammelten Gottesdienstgemeinde befindet sich ein schlichtes Holzkreuz, in dessen Mittelpunkt – also dort, wo Längs- und Querbalken aufeinandertreffen -  eine Gloriole mit der Inschrift „IHS“ auf Jesus Christus hinweisen. Er ist sowohl derjenige, der den Kreuzestod auf sich genommen hat, als auch die Ostersonne, die Leiden und Tod durch die Auferstehung überwunden und uns den Zugang zum ewigen Leben erworben hat. Er ist der, der alle menschlichen Leidenswege mit seinem Osterlicht erleuchtet hat.

Von diesem schlichten Kreuz kann der Blick des Betrachters zu dem mächtigen Kreuz an der Stirnwand der Kapelle gehen. Es ist eine bemerkenswerte Darstellung, die dem Auftrag eines Krankenhauses und dem Selbstverständnis der Ordensschwestern der Mauritzer Franziskanerinnen, die dort seit den Anfängen des Hauses im Jahre 1865 leben und wirken, in bemerkenswerter Weise entspricht. An dem Kreuz ist nicht der geschundene Leib des gekreuzigten Christus zu sehen. Und erst recht nicht der alles Leid überwindende Herrscher und Richter. Zu sehen sind sieben Bilder, die auf dem Längs- und dem Querbalken des Kreuzes angeordnet sind. Auf diesen Darstellungen sind die sieben Werke der Barmherzigkeit abgebildet: Hungrige speisen, Durstige tränken, Fremde beherbergen, Nackte kleiden, Kranke pflegen, Gefangene besuchen und Tote bestatten. Die Bilder von den sieben Werken der Barmherzigkeit, die den Korpus ersetzen, könnten ein Hinweis darauf sein, dass sich Christus nicht nur in der persönlichen Begegnung zu erkennen gibt, von Angesicht zu Angesicht, nicht nur in den Sakramenten. Nein, er ist gegenwärtig und begreifbar in den Notleidenden. In ihrer Bedürftigkeit gibt er sich zu erkennen. Ihr Leid ist sein Leid. In ihrem Angesicht, wird sein Antlitz sichtbar. Auf diese Weise bleibt die Gegenwart Jesu nicht auf sein irdisches Leben begrenzt. Er ist und bleibt über alle Zeiten unter den Menschen. Aber damit noch nicht genug: Wer sich dieser Notleidenden annimmt, ihnen seine Hilfe und Zuwendung schenkt – auch der macht Christus präsent, gibt ihm Hand und Fuß. Heißt es doch im Matthäusevangelium: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder, was ihr für eine meiner geringsten Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan.“

Direkt unter dem Kreuz feiert die gottesdienstliche Gemeinde Tod und Auferstehung Jesu auf einem mächtigen Tisch – einer aus Stein gefertigten Mensa, die von vier Säulen getragen wird.

Links neben dem Altar befindet sich der Tisch des Wortes – wie das Zweite Vatikanische Konzil den Ambo bezeichnet. Er ist ebenfalls sehr schlicht in seiner Gestalt – aus Holz und Metall gefertigt. Nur zur Gemeindeseite hin ist er mit sechs Kristallen besetzt.

Hinter dem Altar ist an der Stirnwand der Kapelle rechterhand auf einer Konsole der Tabernakel zu sehen. Sie ist aus dem gleichen Material gefertigt wie der Altar. Umgeben ist der Tabernakel von einem Kranz, in den fünf Medaillons eingearbeitet sind. Auf dem Tabernakel ist als Hinweis auf den, den er in sich trägt, ein weißes mit einer blutenden Wunde und einer Gloriole hinter dem Kopf versehenes Lamm zu erkennen. Das dahinter liegende, mit vier Edelsteinen besetze Kreuz deutet wohl gemeinsam mit der Wunde des Lammes auf die Wundmahle des gekreuzigten und auferstandenen Herrn hin, auf den der Vorläufer Johannes der Täufer mit den Worten hinweist: „Seht das Lamm Gottes.“

Vor dem Altarraum – ebenfalls auf einer Konsole – befindet sich auf der linken Seite eine Madonnenfigur aus dem 17. oder 18. Jahrhundert. Sie trägt auf dem rechten Arm das Jesuskind, das in der rechten Hand ein Zepter und mit der linken Hand die mit einem Kreuz bekrönte Weltkugel hält.

Als Pendant zur Marienfigur ist auf der rechten Seite – wieder auf einer Konsole stehend – der heilige Josef mit dem Jesuskind auf dem linken Arm tragend und in der rechten Hand eine Lilie haltend. Diese Blume gilt von alters her als Zeichen der Unschuld und der Reinheit. Eine Legende erzählt: Eines Tages wurden Stäbe für alle unverheirateten Männer aus dem Geschlecht Davids in den Tempel gebracht. Auf diese Weise sollte der Mann für die Jungfrau Maria gefunden werden. Dann passierte plötzlich ein Wunder: Der Stab Josefs erblühte zu einer Lilie. So wurde er der von Gott vorherbestimmte Ehemann Marias.

Wendet sich der Besucher der Kapelle um, so fällt sein Blick auf die Empore und die Orgel. Sie wurde 1996 von der Firma Alfred Führer aus Wilhelmshaven gefertigt.

Disposition der Führer Orgel, 1996

Manual C – g‘‘‘

Pedal C – f‘

1. Gedackt 8‘

angehängt

2. Principal 4‘

 

3. Gedacktflöte 4‘

 

4. Waldflöte 2‘

 

5. Quinte 1 1/3‘

 

Spiel- und Registertraktur mechanisch, Temperierung: Kirnberger III

Adresse

Krankenhauskapelle St. Anna
St.-Annen-Straße 9
49624 Löningen

Lageplan hier »»»

Im Überblick

Die gesamte Übersicht über die Familiengottesdienste von Januar bis Juli 2017 finden Sie hier:

Die Krankenhauskapelle ab 1912


Die Krankenhauskapelle ab 1954

Die Krankenhauskapelle ab 1960/61

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